während Sie im Knast sitzen, habe ich Ihre Stimme im Ohr: Ihr Verdi-Requiem mit Herbert von Karajan, Ihren Gremin neben Mirella Freni, Ihren Ramphis mit Luciano Pavarotti und Ihren Silva neben Joan Sutherland!
Ihr dunkler Bass begleitete meine ersten Schritte in die Oper. Ihre Erdigkeit sorgte bei mir für Gänsehaut!
Jetzt sind Sie von Beton umgeben. Inhaftiert, weil Sie in Ihrer Heimat Georgien gegen die prorussische Regierung von Georgian Dream protestiert haben. Für Neuwahlen. Für die Freilassung politischer Gefangener. Für Europa.
Als die Richter in Tbilisi Sie verurteilt haben, erklärten Sie, dass Sie nichts bereuen. »Die Staatsbetrüger werden verschwinden«, sagten Sie, »wie ein schrecklicher Albtraum – und der Himmel über Georgien wird sich wieder aufhellen.«
Lieber Paata Burchuladze, Sie haben auf der Opernbühne für die wahre Welt gelernt. Jetzt haben Sie Ihre wichtigste Vorstellung. Ihr Leben ist selbst eine Oper.
Sie sind 71 Jahre jung. Ich wünsche Ihnen, dass Sie bald die europäischen Sterne am Himmel Ihrer Heimat erblicken.


