Lieber Jordi Savall,

Januar 23, 2026
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Jordi Savall (Foto: Camino)

die Gambe ist ein Teil Ihres Körpers: wie eine Stimme, die aus der Vergangenheit der Musik in unser Heute flüstert. Mit Ihrem Ensemble Hespèrion verschmelzen Sie die Zeit (die Vergangenheit und Gegenwart) und den Raum (die Kulturen von Europa bis Lateinamerika). Sie sind ein Archäologe und ein Poet. Ihre Funde sind meist tief vergraben in der Erinnerung unserer Musik-Vergangenheit. Es sind verhallte Töne, die Sie uns wiederbringen – als Gesang. 

Dass Sie den Ernst von Siemens Musikpreis erhalten, ist großartig! In Ihren Konzerten klingt Wahrhaftigkeit. Leise, ohne Donner – mit Würde.

Ich wünschte mehr Neugier wie Ihre in der Klassik, mehr Kompromisslosigkeit wie bei Ihnen. Und gleichzeitig so viel mehr von Ihrer Offenheit! Sie sind ein Zenmeister der Emotionen. So unaufdringlich ihre Musik wirkt, so tief gräbt sie sich unter unsere Haut: Lustvoll, humorvoll, abgründig.

Gratulation, lieber Jordi Savall zum Musikpreis, der mit Ihnen auch ein Preis für das Seelenreisen geworden ist. 

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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