Liebe Sharon Stone,

Februar 13, 2026
1 min read
Sharon Stone beim Opernball (Screenshot ORF)

Sie folgten Ihrem basic instinct und flüchteten vom Wiener Opernball. Sie waren gestern Abend das Sinnbild für unsere verrückten Zeiten: Tränen in den Augen, Überwältigung auf den Lippen, lobten sie die »schönen österreichischen Polizisten«, und die Menschlichkeit und die Kunst… und überhaupt. 

Ale fragten sich: Sharon Stoned? 

Man konnte Mitleid mit Ihnen haben. Oder man wollte mitweinen und Sie einfach umarmen.

Irgendwie scheint so ein Ball gerade nicht in unsere Zeit zu passen: Politiker – von Dorothee Bär bis (ganz peinlich) Ösi-Vize Andreas Babler – erklärten andauernd, dass sie nicht zum Spaß hier seien und arbeiten würden. Viele Promis verdünnisierten sich, um nicht dekadent vor der Kamera zu wirken. Andere wirkten einfach aus der Zeit gefallen. Der Opernball: angekommen im 20. Jahrhundert!

Irgendwie tanzten alle auf dem Vulkan, aber niemand wollte sich dabei zusehen lassen. 

Sie, Sharon Stone, wurden vom oberösterreichischen Schaumrollen-König Karl Guschlbauer (er wäre so gern Nachfolger vom Mörtl-Lugner) für den Ball eingekauft. Eine Ikone als Trophäe. Angeblich sind Sie vor lauter Panik ins Hotel geflohen. Ein Schluck Champagner – und zurück zum Ball.

Sie haben alles richtig gemacht. Sie kamen, um zu feiern. Und dann stieg Ihnen unsere verrückte Welt zu Kopf. Alles Walzer? Alles Wahnsinn!

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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