Liebe deutsche Schule,

Januar 13, 2026
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Musikunterricht in Deutschland – eine Krise (Foto: pxhere)

früher hätte man vielleicht gesagt: »Du bist derzeit von einer curricularen Simplifizierung und inhaltlicher Entkernung geprägt, bei der nachhaltige Erkenntnisprozesse zugunsten kurzfristiger Kompetenzsimulation substituiert werden.« Aber wenn man so wäre wie Du, liebe Schule, würde man vielleicht sagen: »Ey, Du wirst immer blöder!«

In Berlin sollen Gymnasiasten Literaturklassiker neuerdings in vereinfachter Sprache lesen. Niedersachsen will auf das schriftliche Dividieren an der Grundschule verzichten – zu komplex. Und selbst in Bayern wird der Musikunterricht inzwischen mit Kunst und Sport in einen Topf geworfen und radikal gekürzt!

Die Schule will sich an unserer verrückten Welt orientieren: Applaus wird zum Beweis des Erfolges, Anstrengung ist anachronistisch, es geht um Rationalität statt um Romane, um Deals statt ums Dividieren.  

Bildung ist eine Investition in die Zukunft. Das offene und poetische Denken oder die abstrakte Logik sind entscheidend, wenn das einfache Denken nach Schema F irgendwann von der KI übernommen wird. Wenn es darum geht, den Populisten Paroli zu bieten. 

Nun ist es also an unseren Bühnen, Opern und Orchestern, die Fahne der komplexen Abgründigkeit hochzuhalten. Kultur ist das wahre und vielleicht letzte wirklich soziale Medium unserer Zeit. Also: »Fack ju Schulreform!«

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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