Ingolstadt schließt sein Theater

März 19, 2026
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Der Hämer-Bau, in dem das Stadttheater residiert. (Foto: Stadt Ingolstadt /Rössle)

Die Finanzprobleme der Städte und Kommunen sind so groß, dass nun ernsthafte Konsequenzen gezogen werden: Ingolstadt schließt sein Theater.

English summary: Severe financial troubles force Ingolstadt to close its main theater in May 2026 after freezing a €240M renovation. Budget deficits, partly linked to Audi’s decline, led to major cultural cuts, staff reductions, and canceled programs, marking a major loss for the city’s cultural identity.

Am 31. Mai 2026 wird im Hämer‑Bau in Ingolstadt zum letzten Mal gespielt: Kasimir und Karoline von Ödön von Horváth. Danach verliert Bayerns fünftgrößte Stadt mit mehr als 140 000 Einwohnern ihre zentrale Bühne. 

Im Dezember 2025 hatte der Stadtrat die auf rund 240 Millionen Euro geschätzte Sanierung des Hämer‑Baus auf Eis gelegt. Die Stadt kämpft mit massiven Einnahmeausfällen, unter anderem durch Rückgänge bei Audi. Ende 2025 klafft ein Finanzloch von rund 88 Millionen Euro, die Regierung von Oberbayern kontrolliert die Ausgaben.

In allen Bereichen wird gespart, vor allem bei den »freiwilligen Leistungen«, zu denen auch die Kultur zählt. Kultur‑ und Bildungsreferent Marc Grandmontagne sagte gegenüber der Süddeutschen Zeitung: »Alle sind wild entschlossen, das Haus irgendwie zu retten. Ob das wirklich klappt, liegt nicht mehr so sehr in unseren Händen.«

Bereits vor einem halben Jahr warnte er in einem Podcast bei BackstageClassical (siehe unten) vor dem kulturellen Ausverkauf der Stadt. Nun bilanziert er knapp 3,7 Millionen Euro Einsparungen im Kulturbereich. Bürgerfeste wurden reduziert oder gestrichen, die Kulturfördersumme halbiert, Ticketpreise und Schließzeiten angehoben, Stellen gestrichen, Ausstellungen im Deutschen Medizinhistorischen Museum eingestellt.

»Allein das Theater plant mit 1,5 Millionen Euro und vier Vollzeitstellen weniger sowie dem Wegfall aller Gastspiele«, sagte Grandmontagne der Süddeutschen. Das treffe vor allem das Musiktheater, das zum Gastspielbetrieb gehöre. Zwar will das Ensemble weiterhin in kleineren Spielstätten auftreten, doch der Verlust des Großen Hauses ist für viele ein Bruch mit einem kulturellen Markenzeichen.

Grandmontagne im Podcast von Februar 2025

Die Schließung ist das Ende eines lange vorbereiteten Dramas. Ingolstadt hatte die Sanierung des Theaters jahrzehntelang hinausgeschoben. 2022 wurde publik, dass ein Bürgerbegehren den Bau eines Ausweichspielstätte verhindert hatte. Die Pläne für die sogenannten Kammerspiele waren fertig, das Ersatztheater sollte in Sichtweite des Hauses entstehen und während der Sanierung bespielt werden. Ohne diese Lösung gilt das »Große Haus« aus Sicherheitsgründen nicht länger als nutzbar. Ab Juni werden andere Orte gesucht: das Holzbau‑Interim Theater am Glacis, das Studio im Herzogskasten und die Spielstätte am Turm Bauer.

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