»Ich kriege Puls« – Himmelfahrtskommando und Musik-Therapie

Mai 28, 2025
2 mins read
Takt&taktlos: Der Podcast von BackstageClassical

In der neuen Folge von »Takt und Taktlos« reden Hannah Schmidt und Axel Brüggemann über Joana Mallwitz, hohen Puls bei GMD, über Peter Konwitschny und das Problem mit dem Klassik-Stolz.

Podcast für alle Player und applePodcast

English summary: In the second episode of Takt und taktlos, Hannah and Axel discuss plans for classical summer festivals, critique conductor Joana Mallwitz, and debate high vs. pop culture. They address the Vienna State Opera’s distancing from ESC singer JJ, gender issues in conducting, Peter Konwitschny’s opera direction, AfD’s cultural agenda, and DSO Berlin’s commitment to diversity in programming.

In der zweiten Ausgabe des Podcasts »Takt und taktlos« geh es erst einmal um die Planung der Sommer-Klassik-Festspiele: Hannah will die Darmstädter Ferienkurse besuchen (»crazy Scheiß«), Axel würde gern zum »romantischen Scheiß« nach Bayreuth und nach Aix-en-Provence fahren.

Kritik an Joana Mallwitz: Ausgehend von Hannahs Zeit-Artikel, diskutieren die beiden die Rolle der Dirigentin Joana Mallwitz. Hannah schätzt ihre Arbeitsweise, Sprache über Musik, Charisma und Nahbarkeit. Axel kritisiert sie als altmodische Bildungsbürgerlichkeit.

Axels Text über Hochkultur: Axel vertritt die These, dass Politiker und Öffentlichkeit wenig Interesse an Hochkultur haben, wodurch diese zur politisch nutzbaren Leerstelle wird. Er spricht von »Entkulturalisierung« und Verlust der Relevanz von Kultur als Diskursraum. Hannah hinterfragt die Trennung von Hochkultur und Popkultur und argumentiert, dass große Fragen auch in Letzterer verhandelt werden. Axel vermisst das ästhetische Denken in der Kunst. Sie diskutieren die Rolle des Kanons.

Wiener Staatsoper und JJ (ESC): Die beiden sprechen über den Umgang der Wiener Staatsoper mit ESC-Teilnehmer JJ. Nach anfänglicher Unterstützung distanzierte sich die Oper wegen umstrittener politischer Äußerungen zu Israel/Ukraine. Axel kritisiert das Vorgehen der Staatsoper. Sie diskutieren JJs Jugend und seine Aussagen, z.B. den Vergleich Israels mit Russland und die Forderung nach Ausschluss israelischer Beiträge.

Hannah bei der GMD-Konferenz: Hanna berichtet von ihrer Einladung zur Konferenz der GMDs zum Thema »Was wir alten weißen dirigierenden Männer anders machen können«. Sie stieß auf Abwehrhaltung und Definitionsunschärfen bei Begriffen wie »patriarchalisches System«. Axel sieht dies als nötige Konfrontation. Hannah empfand es als kränkend, glaubt aber ebenfalls, dass das Thema neu für die Runde war und reflektieren den Widerstand gegen anstehende Veränderungen.

Peter Konwitschnys Ring in Dortmund: Axel besucht Peter Konwitschnys Ring-Inszenierung in Dortmund. Er stellte fest, dass sich die Welt weiterentwickelt hat, während Konwitschny bei alten Codes aus der DDR-Zeit verharrt. Axel fand es interessant, dass Regie bewusst gegen Zeitläufte argumentieren kann.

AfD und Kulturkampf: Die beiden diskutieren den Vorstoß der AfD Sachsen-Anhalt, die Landeskampagne in »#deutschdenken« zu ändern und einen »Stolzpass« einzuführen. Sie sehen dies als skrupellosen Versuch, Kultur völkisch umzudeuten und Kultureinrichtungen zu Erziehungsanstalten zu machen. Sie erwähnen die Gefahr, dass Konzepte entarteter Kunst wieder aufleben. Hannah betont, kulturelle Überlegenheit sei im dt. Nationalismus immer mit völkischem Denken verbunden und falsch.

DSO Berlin: Hannah und Axel sprechen über die DSO-Strategie, gezielt diverse Komponisten und Themen zu programmieren (»Kein Konzert ohne Komponistin«). Das Orchester verzeichnet Publikumszuwächse trotz Shitstorms, Hannah hat beim BR darüber berichtet. Sie diskutieren, ob der Erfolg an Diversität oder Marketing liegt. Axel sieht es als Selbstverständnis eines Orchesters als relevanter Diskursraum in einer Großstadt. Hannah betont die Verantwortung öffentlich finanzierter Orchester. Popkultur sei oft vorbildlich in Diversität und gesellschaftlicher Bedeutung.

BackstageClassical

BackstageClassical bringt Ihnen Debatten und Nachrichten aus der klassischen Musik. Die Seite ist kostenfrei. Bestellen Sie unseren Newsletter oder unterstützen Sie unseren unabhängigen Musikjournalismus durch Ihre Spende.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Ulrich Peters als Interimsintendant in Coburg

Das Landestheater Coburg bekommt einen neuen Intendanten: Der Theatermacher Ulrich Peters übernimmt mit Wirkung zum 1. Juni die Interimsintendanz und wird damit Nachfolger von Neil Barry Moss.

Brüssel streitet über Shani

Streit um Lahav Shani in Brüssel: Rücktritte im Bozar‑Aufsichtsrat, politische Vorwürfe und Boykottdebatten eskalieren. Der Dirigent gerät zwischen Kultur, Kritik und Nahostkonflikt.

Performatives Gähnen?

Podcast Live vom Deutschen Orchestertag: Dieses mal geht es hoch her zwischen Hannah Schmidt und Axel Brüggemann. Sie debattieren über Skandale, die Zukunft der Orchester und einen Notfonds für Kulturinstitutionen.

Erst Kultur-Club, dann Oper

Auf dem Grundstück des ehemaligen Kaufhofs am Wehrhahn in Düsseldorf soll in einigen Jahren das neue Opernhaus der Stadt entstehen; noch in diesem Sommer aber könnte bereits die Dachterrasse als provisorischer Kulturort

 Der Verbrenner-Motor der Klassik

Selbst bei Christian Thielemann bleiben inzwischen Plätze leer. Große Namen garantieren nicht mehr automatisch volle Häuser. Es wäre gefährlich, das zu ignorieren. Die Klassik droht, den Wandel zu verpennen.

Marien-Erscheinungen

Korngolds »Die tote Stadt« an der Staatsoper Hannover wurde in einer gleichermaßen durchdachten wie originellen Neuinszenierung zu einem Triumph.

Die Reichsbürger der Kultur

Ist Milo Rau der neue Schlingensief? Natürlich nicht! Ihm oder Florentina Holzinger fehlt es an Schalk, an Humor und an Schlingensiefs grundsätzlichem Verständnis von Kunst.

»Wir dürfen uns nicht nivellieren«

Die Dirigentin Marie Jacquot sieht die klassische Musikbranche in einem tiefgreifenden Wandel und warnt davor, dass die Kunst sich dem Markt anpasst. Sie plädiert dafür, dass Musik eine größere Rolle an unseren