»Die Kulturkritik tanzt an neuen Orten«

April 25, 2025
1 min read
Als Musikkritiker noch mächtig waren: Eduard Hansslick zwingt Richard Wagner zum Niederknien (Karikatur: NYPL)

BackstageClassical im Deutschlandfunk: Über neue Wege der Kulturkritik diskutieren die Kulturpublizisten Johannes Franzen (54books) und Axel Brüggemann (backstageclassical.com) mit Brigitte Baetz von @mediasres.

Hier zum Podcast auf der Seite des Deutschlandfunks

Die Kulturberichterstattung in Deutschland sieht sich laut Experten starkem Druck ausgesetzt. Kulturschaffende beklagen, sie sei auf den Hund gekommen, werde immer weniger, immer kritikloser, immer substanzloser. Der Germanist Johannes Franzen und der Musikjournalist Axel Brüggemann sehen die Hauptursachen primär in finanziellen Problemen der Medienhäuser. Werbeeinnahmen, einst eine wichtige Stütze, fließen nun zu großen Online-Plattformen, was dazu führe, dass Kultur im Feuilleton als »Luxus gilt« und als Erstes gekürzt wird. Zeitungen träfen hier »unternehmerische Entscheidungen«.

Dies habe weitreichende Folgen: Honorare sänken so stark, dass ein Leben vom Kulturjournalismus kaum noch möglich sei, was eine »Entprofessionalisierung von Kritik« bedeute und talentierte Kräfte aus dem Bereich dränge. Zudem beeinträchtige die Abhängigkeit von Kultureinrichtungen (Werbung, Einladungen) die nötige journalistische Unabhängigkeit. Selbst der öffentlich-rechtliche Rundfunk habe Schwierigkeiten, seinen Kultur- und Bildungsauftrag zu erfüllen und fusioniere Redaktionen.

Zum Podcast mit BRSO-Chef Nikolaus Pont, der den Niedergang der Rezensionen in der SZ beklagt.

Dabei sei kritische Begleitung unerlässlich, weil es bei Kultur um Werte gehe und jede Form des kulturellen Ausdrucks eine Einladung zur Debatte sei. Diese »Menschheitsdiskussion« verschwinde nicht, sondern »sucht sich nur neue Orte, in denen sie frei ist«. Die Aufgabe sei es, das Publikum zu »Reisen in unbekannte Welten« mitzunehmen, nicht »da abzuholen, wo sie sowieso warten«. Man dürfe Komplexität nicht reduzieren, da das Publikum sie schätze.

Als Reaktion entstünden neue, oft digitale Formate, die wie 54 Books längere Texte böten oder wie Backstage Classical Unabhängigkeit von Werbung und Klickzahlen anstrebten. Sie finanzierten sich über Abos, Spenden oder Werbung, deren Einfluss auf die Redaktion getrennt werde.

Der Wert des Kulturjournalismus verschiebe sich: Weniger als reiner Empfehlungsdienst, mehr als Hilfe, Kultur nach der Rezeption zu verstehen und debattieren zu können. »Relevanz« durch fundierte Inhalte und Glaubwürdigkeit sei das »eigentliche Kapital«.

Trotz der »größten Sorge… um Geld«, sehen die Experten auch Chancen. Es gebe ein Publikum, das qualitätsvolle Berichterstattung wertschätze. Neue Orte und Formate ermöglichten es, »die Größe der Kultur zu bewahren und trotzdem Leute einzuladen«, ohne sie zu »boulevarisieren«. Man müsse »Räume finden« und »ein Risiko eingehen«.

Der Inhalt des Podcasts wurde mit Hilfe von AI zusammengefasst.

BackstageClassical

BackstageClassical bringt Ihnen Debatten und Nachrichten aus der klassischen Musik. Die Seite ist kostenfrei. Bestellen Sie unseren Newsletter oder unterstützen Sie unseren unabhängigen Musikjournalismus durch Ihre Spende.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Rettungspläne für Eutin?

Die Eutiner Festspiele fallen nach der Absage der Spielzeit 2026 vorerst aus, doch Politik und Stadt sprechen intensiv über Modelle für einen Neustart in veränderter Form. Im Raum stehen unter anderem neue

Lieber Andris Nelsons,

manchmal sind Kritiker einfach nur schlecht gelaunte Spaßbremsen. Muss man nicht ernst nehmen! Aber dieser David Allen von der New York Times, der hat Sie nun ganz schön durch die Mangel gedreht:

»Die Eutiner Festspiele dürfen nicht sterben«

Die Eutiner Festspiele stehen vor dem Aus. Die Stadtpolitik will die Veranstaltung nicht weiter tragen. Der international tätige Opernregisseur Anthony Pilavachi hat hier den »Freischütz« inszeniert und kann es nicht fassen.

Die Zukunft der Klassik auf TikTok

PODCAST: Wie verändert KI das Marketing von Klassik-Künstlern? Wie organisieren wir die Konsolidierung des Marktes? Und Welche Formate müssen wir für TikTok und Instagram finden? Antworten von Krystian Nowakowski.

Lieber MDR,   

das war‘s also! Schluss. Ende. Aus. Du hast die terrestrische Ausstrahlung Deines Klassik-Senders eingestellt. »Nicht mehr zeitgemäß«, sagst Du. Kann man ja auch streamen.  Dabei bist Du sonst doch gar nicht so

Das Reich der kulturellen Mitte

China profitiert vom Chaos der Welt. Auch kulturell. In Peking gastieren sowohl Valery Gergiev und sein Mariinksy Orchester als auch die Berliner Philharmoniker mit Kirill Petrenko.  

Liebe deutsche Schule,

früher hätte man vielleicht gesagt: »Du bist derzeit von einer curricularen Simplifizierung und inhaltlicher Entkernung geprägt, bei der nachhaltige Erkenntnisprozesse zugunsten kurzfristiger Kompetenzsimulation substituiert werden.« Aber wenn man so wäre wie Du,

Verpassen Sie nicht ...