Nach monatelangen Protesten und Vorwürfen des Machtmissbrauchs zieht der Präsident der Hochschule für Musik Nürnberg, Rainer Kotzian, Konsequenzen. Sein Rücktritt wirft neue Fragen über den Umgang mit Macht und Abhängigkeiten an Musikhochschulen auf.
Der Präsident der Hochschule für Musik Nürnberg, Rainer Kotzian, tritt nach Vorwürfen des Machtmissbrauchs zurück. Wie die Hochschule mitteilte, wird sein Rücktritt am Freitag (16. Oktober) wirksam. Vorausgegangen waren monatelange Auseinandersetzungen um den Umgang mit einer Studentin sowie Proteste gegen die Hochschulleitung.
Im Mittelpunkt steht ein Vorfall vom November 2025. Während einer externen Veranstaltung soll Kotzian eine Studentin auf sein privates Hotelzimmer gebeten haben. Dort habe seine Ehefrau, die ebenfalls an der Hochschule unterrichtet, die Studentin mit dem Vorwurf konfrontiert, ein Verhältnis mit ihrem Mann zu haben.
Studierende kritisieren Umgang mit dem Fall
Die Initiative »Studis gegen Machtmissbrauch Nürnberg« wirft Kotzian vor, seine Machtposition gegenüber der Studentin ausgenutzt und die anschließende Aufarbeitung behindert zu haben. Der Fall entwickelte sich zu einer grundsätzlichen Debatte über Abhängigkeiten zwischen Lehrenden und Studierenden an der Musikhochschule.
Kotzian räumte ein, einen Fehler gemacht zu haben. Er habe das Machtgefälle zwischen einem Professor und einer Studentin nicht ausreichend berücksichtigt. Einzelne gegen ihn erhobene Vorwürfe weist er allerdings zurück.
Bereits im Frühjahr 2026 waren zwei Gleichstellungsbeauftragte der Hochschule im Zusammenhang mit der Affäre zurückgetreten. Der Konflikt hatte damit längst die Ebene eines persönlichen Vorfalls verlassen und Fragen nach den internen Kontrollmechanismen und der Aufarbeitung von Beschwerden aufgeworfen.
Rücktritt nur ein erster Schritt
Die Studierendeninitiative wertet Kotzians Rücktritt als »ersten Etappensieg«. Damit sei die Affäre allerdings noch nicht abgeschlossen. Bayerns Wissenschaftsminister Markus Blume fordert eine umfassende Aufklärung. Auch die Landesanwaltschaft wurde eingeschaltet.
Der Fall wirft grundsätzliche Fragen zum Umgang mit Machtmissbrauch an künstlerischen Hochschulen auf. Gerade im Musikstudium bestehen häufig besonders enge Abhängigkeitsverhältnisse zwischen Studierenden und ihren Professorinnen und Professoren. Einzelunterricht, künstlerische Förderung und die Vergabe beruflicher Chancen können die Machtposition einzelner Lehrender erheblich verstärken.
Offen bleibt, warum die Auseinandersetzung über Monate eskalieren musste, bevor der Hochschulpräsident seinen Rücktritt erklärte – und welche Konsequenzen die Hochschule aus dem Fall für ihre internen Strukturen ziehen wird.
Dieser Text ist in der Recherche auch mit Hilfe von KI entstanden. Aber jeder Text wird bei BackstageClassical vor der Veröffentlichung redaktionell überarbeitet.

