Der Mozart-Beschiss

Dezember 16, 2025
1 min read
Die Serie Mozart/Mozart (Foto: ARD)

Die Agentur der ARD-Serie »Mozart/Mozart« gaukelt jubelnde Kritiken vor. In Wahrheit hagelt es Verrisse. FAZ-Mann Jan Brachmann wittert sogar Demokratiegefährdung – zu Recht!

Es ist schon atemberaubend, wie die Agentur Spielkind die ARD-Serie Mozart/Mozart in einem Newsletter an Filmschaffende mit Ausschnitten aus Kritiken bewirbt, die ihren Kunden vorgaukeln sollen, dass es sich bei der Serie um einen medialen Giga-Erfolg handlt.

Hemmungslos werden von der Agentur positive Zitate aufgelistet, auch, wenn es sich in Wahrheit um Totalverrisse handelt. So wird etwa aus der Welt am Sonntag zitiert: »Mozart/Mozart pfeift auf historische Akuratesse. Stattdessen gibt‘s ganz große Oper.« Hört sich spannend an? Was Spielkind verschweigt, ist, dass der Artikel in der Welt die Überschrift trägt: »Mozart zum Fremdschämen«. Unter anderem heißt es: »Der ARD-Mehrteiler ‚Mozart/Mozart‘ ist leider nicht nur historisch zum Haareraufen.«

Und das ist noch nicht alles, die falschen Zitate haben Methode. In der Agentur-Mail könnte man auch denken, dass die FAZ die Serie super fand: »Moderne Elektrobeats die ins Ohr gehen«, wird da aus dem Text zitiert, oder »Pompöse Plastikkulissen, feministische Rebellion und Mozart wie nie zuvor: Dieneue ARD-Serie ‚Mozart/Mozart‘ ist mehr als ein Biopic.« Auch hier wird verschwiegen, dass Autor Jan Brachmann einen fulminanten (und sehr lesenswerten) Totalverriss verfasst hat. 

Es ist vielleicht kein Zufall, dass Brachmanns Abrechnung mit dem Machwerk damit endet, dass er beschreibt wie die ARD ihr Publikum an der Nase herumführt und für Dumm verkauft. Eine Lügengeschichte, die am Ende nicht nur Mozart schade, findet Brachmann, sondern auch unserer Demokratie. Man könnte den letzten Absatz seiner Kritik ebenfalls der Agentur Spielkind ins Stammbuch schreiben: »Ganz wie in den sogenannten Kulturprogrammen der öffentlich-rechtlichen Radiosender ein mehr oder weniger offensives Bildungsbürgermobbing betrieben wird, betreibt diese Serie nun eine zwangsgebührenfinanzierte Kunstzerstörung. (…) Nach der Ausstrahlung wird das öffentlich-rechtliche Fernsehen in Deutschland sicher einige Tausend Befürworter weniger im Land haben und die AfD einige Tausend potentielle Wähler aus bildungsnahen Schichten mehr. So nimmt die ARD ihren Auftrag zur Stärkung der Demokratie wahr.«

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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