Komische Oper: Abrissfirma trotz Schmiergeldskandal beauftragt

Januar 16, 2025
1 min read
Modell der umgebauten Komischen Oper (Bild: kadawittfeldarchitektur)

Wurde bei der Sanierung der Komische Oper ein Unternehmen engagiert, das eigentlich nicht hätte engagiert werden dürfen?

English summary: Despite a bribery scandal, a Berlin demolition company secured lucrative contracts for the Komische Oper renovation, reports Tagesspiegel and Wirtschaftswoche. Between 2016 and 2019, a manager paid €75,000 in bribes to a state-owned waste disposal firm’s CEO for better terms. The manager received a suspended sentence, yet Berlin’s Senate awarded the company €2.9M in contracts, including three post-verdict projects, citing the most economical bids.

Trotz eines bekanntgewordenen Schmiergeldskandals erhielt eine Berliner Abrissfirma weiterhin lukrative Aufträge im Zusammenhang mit der Sanierung der Komischen Oper. Das berichten der Tagesspiegel und die Wirtschaftswoche. Ein Manager der Firma hatte demnach zwischen 2016 und 2019 insgesamt 75.000 Euro an den Geschäftsführer des landeseigenen Entsorgungsunternehmens MEAB gezahlt, um günstigere Konditionen für die Entsorgung von Abbruchabfällen zu erhalten. Der Abrissunternehmer wurde wegen Bestechung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Die Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung vergab dennoch Aufträge im Gesamtwert von 2,9 Millionen Euro an das Unternehmen, darunter drei Projekte nach Bekanntwerden des Urteils. Laut einem Sprecher der Verwaltung habe die Firma jeweils das wirtschaftlichste Angebot abgegeben. Über den Schmiergeldskandal und die rechtskräftige Verurteilung will man keine Kenntnis gehabt haben – ein Umstand, der angesichts der umfangreichen Berichterstattung und der Aufsichtsratsbeteiligung Berlins an der MEAB Fragen aufwirft.

Das 2021 eingeführte Wettbewerbsregister, das solche Fälle verhindern soll, greift hier offenbar zu spät. Ein Eintrag zur Abrissfirma erfolgte erst Monate nach der Verurteilung. Dennoch wurde das Unternehmen weiter beauftragt, da der verurteilte Manager laut Senatsangaben keine geschäftsführende Rolle mehr innehatte. Recherchen zeigen jedoch, dass der Mitgesellschafter weiterhin maßgeblich Einfluss ausübt. Kritiker werfen der Senatsverwaltung mangelnde Kontrolle vor.

BackstageClassical

BackstageClassical bringt Ihnen Debatten und Nachrichten aus der klassischen Musik. Die Seite ist kostenfrei. Bestellen Sie unseren Newsletter oder unterstützen Sie unseren unabhängigen Musikjournalismus durch Ihre Spende.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Wer ist dieser Bert?

Ein Opernfan erobert das Netz: »Opera Bert« begeistert mit Arien zwischen Alltag und Algorithmus – und zeigt, wie nahbar klassische Musik für eine neue Generation sein kann. Ein Podcast und ein Porträt.

Musik war seine Identität

Michael Tilson Thomas, einer der prägenden Dirigentenpersönlichkeiten der amerikanischen Musikszene, ist tot. Der langjährige Chef des San Francisco Symphony Orchestra starb im Alter von 81 Jahren.

Wiener Regenbogen-Walzer sorgt weiter für Aufregung

Die Kritik an Florence Prices »Rainbow Waltz« beim Wiener Philharmoniker-Neujahrskonzert spitzt sich zu: Offensichtlich wurde ein Arrangement der schwarzen Komponisten Valery Coleman von Orchester verworfen – und stattdessen eine »eingewienerte« Version bevorzugt.

Warum die GEMA eine Reform braucht

Die Trennung von E- und U-Musik ist ein Anachronismus, sagt der Filmkomponist Anselm Kreuzer. Die GEMA steht vor einer Richtungsentscheidung: Kulturförderung neu denken, gerechter verteilen und ihre Legitimation sichern. Warum Reform jetzt

Ellée bleibt in Esslingen – vorerst

Die Entscheidung über die künstlerische Leitung von PODIUM Esslingen verzögert sich – Intendant Joosten Ellée bleibt länger im Amt. Gleichzeitig startet das Festival 2026 unter dem Motto »Music for Aliens« mit einem

Keine Amerika-Visa: Jaroussky sagt Tournee ab

Der französische Countertenor Philippe Jaroussky hat seine für April 2026 geplante Tournee durch Nordamerika kurzfristig absagen müssen. Grund dafür sind massive Verzögerungen bei der Erteilung von Arbeitsvisa. Von der Absage betroffen ist

Rainer Heneis geht nach Regensburg

Rainer Heneis von der Stiftung Mozarteum wird neuer Kaufmännischer Vorstand des künftigen Staatstheaters Regensburg. Der Verwaltungsrat bestellte den 58-Jährigen mit Wirkung zum 1. Juli 2026, wie das Theater mitteilte. Heneis folgt in

Die kleinste Tosca der Welt

Gibt es einen anderen Ort auf der Welt, an dem in einem einzigen Jahr über 40 Vorstellungen »Tosca« gespielt werden – vor vollem Haus? Wer das schafft, muss einiges richtig machen –

Verpassen Sie nicht ...