Gheorghiu verteidigt, keine Zugaben zu geben

November 2, 2024
1 min read
Angela Gheorghiu als Adriana und Jonas Kaufmann als Maurizio in «Adriana Lecouvreur» von Francesco Cilea

Angela Gheorghiu erklärt, warum sie keine Zugaben gibt – und warum sie noch immer enttäuscht von Jonas Kaufmann ist.

Die rumänische Opernsängerin Angela Gheorghiu hat in einem aktuellen Interview mit dem Magazin People Person auf den Vorfall in Südkorea reagiert, der kürzlich für Schlagzeilen sorgte: Die 58-jährige Sopranistin unterbrach dort die Zugabe eines Kollegen während einer Aufführung und forderte Respekt für den Opernablauf. Gheorghiu erklärte, dass Opern nicht durch zusätzliche Einlagen gestört werden sollten. »Ich habe in meiner 34-jährigen Karriere zusammen mit all meinen Kollegen ein Prinzip und Respekt für die Oper bewahrt«, betonte sie und nannte prominente Dirigenten wie Georg Solti und Arturo Toscanini, die Zugaben ebenfalls strikt ablehnten.

Der Vorfall ereignete sich bei einer Aufführung in Korea, als Gheorghius Kollege nach Applaus seine Arie wiederholte, was Gheorghiu als unpassend empfand. Sie sei selbst um eine Zugabe ihrer eigenen Arie Vissi d’arte gebeten worden – sang diese aber nicht, weil sie das Prinzip des ungestörten Handlungsflusses respektiere. Sie erklärte weiter, dass sie dies vor der Aufführung mit dem Produktionsteam und dem Dirigenten besprochen habe.

Im Interview ging Gheorghiu auch auf einen früheren Zwischenfall mit Tenor Jonas Kaufmann ein. Bei einer Aufführung 2016 in Wien habe Kaufmann eine Zugabe gegeben, obwohl er dies zuvor ausgeschlossen habe. Kaufmann witzelte damals vor dem Publikum, dass die Sopranistin »fehle«, bevor die Aufführung fortgesetzt wurde. Gheorghiu machte in dem Gespräch deutlich, dass sie in der Vergangenheit Kaufmanns Karriere gefördert habe, sie nun aber enttäuscht sei. Zudem erklärte sie, dass eine wiederholte Arie selten besser klingt als beim ersten Mal, und betonte, dass Zugaben nur in Solo-Konzerten, nicht aber in Opernaufführungen Platz haben sollten.

Die Sängerin sprach außerdem über ihre Karriereentscheidungen und die Ablehnung vieler moderner Produktionen. Gheorghiu, die für ihre kritische Haltung gegenüber experimentellen Interpretationen bekannt ist, erklärte, dass sie sich nur an modernen Inszenierungen beteiligt, wenn diese die Geschichte und das Libretto respektieren. Sie selbst habe stets darauf geachtet, Rollen zu wählen, die ihrer Stimme entsprachen, und im Gegensatz zu einigen ihrer Kolleginnen keine stimmlichen Probleme erlitten.

Das Gespräch beleuchtete zudem Gheorghius Einsatz für musikalische Bildung. Die Sängerin hob die Bedeutung der Bildung und das Vermächtnis der Opernaufnahmen hervor.

BackstageClassical

BackstageClassical bringt Ihnen Debatten und Nachrichten aus der klassischen Musik. Die Seite ist kostenfrei. Bestellen Sie unseren Newsletter oder unterstützen Sie unseren unabhängigen Musikjournalismus durch Ihre Spende.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Ein Angebot, das er nicht ablehnen kann

Showdown: Das Festspielkuratorium der Salzburger Festspiele hat Markus Hinterhäuser ein Szenario offeriert, über das er nun bis zum 20. März nachdenken kann. Ein Kommentar.  

American Nightmares in der Klassik

Kultur-Diskurs zwischen Eskapismus und Widerstand: Hannah Schmidt und Axel Brüggemann debattieren im Podcast Takt & taktlos die aktuellen Themen der Klassik.

Das Reich der kulturellen Mitte

Kanzler Friedrich Merz ist in China. In Peking gastieren sowohl Valery Gergiev und sein Mariinksy Orchester als auch die Berliner Philharmoniker mit Kirill Petrenko. Ein historischer Rückblick auf Europäisch-Chinesische Musik-Beziehungen.  

Liebe Papagenas,

Achtung! Achtung! Da draußen ist ein bunter Vogelfänger unterwegs. Er tarnt sich als Sänger. Früher war er Tenor, heute hat er Federn gelassen – tingelt als Bariton und Clown durch die Gegend.

Einspruch, Herr Wolffsohn

Michael Wolffsohn hat Karajan in seinem neuen Buch vom Nazi-Sympathisantentum weitgehend reingewaschsen. Nun widerspricht ihm der Karajan-Experte und Historiker Oliver Rathkolb. Er sagt: die Faktenlage spricht eine andere Sprache.

Fliegender Teppich ohne Magie

Bluescreen-Effekte prägen Händels »Tamerlano« bei den 48. Internationalen Händel-Festspielen Karlsruhe. Doch der eigentliche Zauber entsteht im Orchestergraben.
Bogdan Roščić Porträt

Lieber Bogdan Roščić,

meinten Sie wirklich den gerngroßen Medien-Mufti Mucha, der über Ihr Opernball-Musical-Programm polterte, als Sie George Bernard Shaw auf Instagram zitierten: »I learned long ago never to wrestle a pig. You get dirty

Liebe Stefanie,

seit der BR sich Dich als »Gesicht« für sein Klassik-Programm vorstellt, bist Du irgendwie anders geworden. Weißt Du noch, wie wir auf dem Flokati gelegen, Tristan gehört und Erdnussflips gegessen haben? Und

Epstein und die Klassik

In den Epstein Files kommen auch zahlreiche Klassik-Künstler vor – oft sollten sie das Image des kulturinteressierten Mäzen pflegen. 

Verpassen Sie nicht ...