Die Sanierung der Stuttgarter Oper steht wieder grundsätzlich zur Debatte. Nun soll Günther Oettinger zwischen Land und Stadt vermitteln. Geprüft werden Sanierung, Neubau und das 289 Millionen Euro teure Interim.
Im Streit um die milliardenschwere Zukunft der Stuttgarter Staatsoper soll der frühere baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) vermitteln. Oettinger wird eine Expertenrunde leiten, die das bislang geplante Sanierungsprojekt noch einmal grundsätzlich überprüfen soll. Auf dem Tisch liegen neben der Sanierung des historischen Opernhauses auch ein Neubau und die Frage, ob die geplante Interimsspielstätte noch sinnvoll ist.
Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) und Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) hatten sich Mitte September auf eine »ergebnisoffene« Neubewertung verständigt. Hintergrund sind die erheblich gestiegenen Kosten und zunehmende Zweifel in der Landespolitik am bisherigen Konzept. Nach Angaben des SWR werden inzwischen Gesamtkosten von bis zu zwei Milliarden Euro diskutiert.
289 Millionen Euro für ein Interim
Besonders umstritten ist die geplante Interimsspielstätte für Oper und Ballett. Während der jahrelangen Sanierung des denkmalgeschützten Littmann-Baus soll sie als Ausweichquartier dienen. Für das inzwischen verkleinerte Projekt ist ein Kostendeckel von 289 Millionen Euro vorgesehen. Vor allem die CDU-Landtagsfraktion hält diese Ausgabe angesichts der angespannten Haushaltslage für nicht mehr vertretbar und hat eine Prüfung eines Neubaus gefordert.
Die politische Unsicherheit hat bereits konkrete Folgen. Stuttgart hat den anstehenden Vorprojektbeschluss für die Interimsoper vorerst ausgesetzt. Auch weitere Beschlüsse, die zusätzliche Kosten auslösen könnten, sollen zunächst nicht getroffen werden. Nopper begründete den Schritt damit, dass sich die Regierungsfraktionen von Grünen und CDU bislang offenbar nicht auf eine gemeinsame Linie verständigen konnten.
Sanierung nicht mehr gesetzt
Damit steht ein Projekt wieder zur Debatte, auf das sich Stadt und Land vor mehr als zehn Jahren grundsätzlich verständigt hatten. Vorgesehen waren bislang die Modernisierung und Erweiterung des Opernhauses, eine Interimsspielstätte sowie zusätzliche Flächen für den Theaterbetrieb. Die Finanzierung teilen sich das Land Baden-Württemberg und die Stadt Stuttgart.
Ein Neubau bedeutet allerdings nicht zwangsläufig, dass die Sanierung des bisherigen Hauses entfällt. Der 1912 eröffnete Littmann-Bau steht unter Denkmalschutz und müsste auch bei einer anderen Nutzung erhalten werden. Frühere Untersuchungen hatten zudem für einen Opernneubau Kosten von 1,2 bis 1,4 Milliarden Euro angesetzt. Eine aktuelle belastbare Vergleichsrechnung zwischen Neubau und Sanierung liegt bislang nicht vor.
Entscheidung möglichst bis Jahresende
Oettingers Expertenrunde soll nun Erfahrungen aus anderen großen Theaterbauprojekten einbeziehen. Özdemir kündigte unter anderem Fachleute mit Erfahrungen aus Köln, Frankfurt und Hamburg an. Nach wenigen Sitzungen sollen Empfehlungen vorliegen. Die endgültige Entscheidung treffen Landtag und Stuttgarter Gemeinderat.
Nopper drängt auf Tempo. Ziel sei möglichst bis Ende des Jahres eine gemeinsame Linie von Land und Stadt. Nach jahrzehntelangen Diskussionen könne man sich einen weiteren Stillstand nicht leisten, erklärte der Oberbürgermeister.
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