Lieber Paata Burchuladze,

Mai 10, 2026
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während Sie im Knast sitzen, habe ich Ihre Stimme im Ohr: Ihr Verdi-Requiem mit Herbert von Karajan, Ihren Gremin neben Mirella Freni, Ihren Ramphis mit Luciano Pavarotti und Ihren Silva neben Joan Sutherland!

Ihr dunkler Bass begleitete meine ersten Schritte in die Oper. Ihre Erdigkeit sorgte bei mir für Gänsehaut!

Jetzt sind Sie von Beton umgeben. Inhaftiert, weil Sie in Ihrer Heimat Georgien gegen die prorussische Regierung von Georgian Dream protestiert haben. Für Neuwahlen. Für die Freilassung politischer Gefangener. Für Europa.

Als die Richter in Tbilisi Sie verurteilt haben, erklärten Sie, dass Sie nichts bereuen. »Die Staatsbetrüger werden verschwinden«, sagten Sie, »wie ein schrecklicher Albtraum – und der Himmel über Georgien wird sich wieder aufhellen.«

Lieber Paata Burchuladze, Sie haben auf der Opernbühne für die wahre Welt gelernt. Jetzt haben Sie Ihre wichtigste Vorstellung. Ihr Leben ist selbst eine Oper.

Sie sind 71 Jahre jung. Ich wünsche Ihnen, dass Sie bald die europäischen Sterne am Himmel Ihrer Heimat erblicken.

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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