»Brief von Rolli«

März 14, 2026
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Rolando Villazón (Foto: Gallois)

Vor einiger Zeit hat BackstageClassical-Herausgeber Axel Brüggemann einen Brief an Rolando Villazón geschrieben: Es ging um seine Suche nach einer neuen Pamina für seine Konzerte. Hier antwortet der Sänger dem Journalisten.

English summary: BackstageClassical editor Axel Brüggemann has criticized Rolando Villazón’s Papagena competition. Now the singer has responded, explaining that he will pay the winners a fee and will continue to support them going forward.

Lieber Axel,

ich stelle in diesen Tagen acht Künstlerinnen vor, die gemeinsam mit mir das Papagena-Papageno-Duett in acht Konzerten zu Mozarts 270. Geburtstag im März und April singen werden.

Natürlich hätten wir auch eine einzige Sopranistin für alle Konzerte engagieren können – aber ich treffe täglich junge SängerInnen, die mich um Rat bitten oder fragen, ob sie mir vorsingen dürfen. Meine Idee war deshalb, gezielt junge Künstlerinnen anzusprechen, die sich ganz am Beginn ihrer Karriere befinden. In jeder Stadt soll eine Sängerin aus der Region die Chance bekommen, sich als Gast in meinem Konzert einem größeren Publikum zu präsentieren.

Du weißt es selbst aus Deiner Arbeit, zum Beispiel bei Stars von morgen, wo wir uns näher kennengelernt haben: Es ist unglaublich schwer, Karriere zu machen, denn es gibt einfach viel mehr KünstlerInnen als reelle Chancen. Der »Klassikbetrieb« ist hart und KünstlerInnen sind oft völlig auf sich allein gestellt. Wie schafft man es, überhaupt wahrgenommen zu werden?

Aus meiner Erfahrung braucht man außer Begabung vor allem zwei Dinge: Chancen und Kontakte. Ohne die ist es fast unmöglich, irgendwie weiterzukommen.

Wir haben den Dir bekannten Aufruf gestartet und die Resonanz war unglaublich: 200 KünstlerInnen haben sich gemeldet – ausnahmslos begabt – mit sehr gutem Videomaterial. Es war nicht leicht, aus dieser Fülle an Talent für jede Stadt eine einzige Papagena auszuwählen. Ursprünglich war geplant, jeder Künstlerin ein Preisgeld, das ich persönlich stifte, zu überreichen. Aber ich habe den Einwand zur Kenntnis genommen, dass ein formelles Engagement den Künstlerinnen gegenüber fairer und transparenter sei. Ich habe darüber nachgedacht und stimme dem zu. Alle acht Künstlerinnen werden einen Vertrag bekommen, der die Konditionen ihres Auftritts im Konzert inklusive der Auftrittsgage ganz klar und branchenüblich regelt. Anfallende lokale Reisekosten werden selbstverständlich erstattet. Alle Gagen und Unkosten bezahle ich ebenfalls persönlich, mit großer Freude.

Ich nehme meine Verpflichtung gegenüber der jungen Generation von KünstlerInnen ernst und möchte ihr so viele Chancen geben wie ich es in meiner Position kann. In der Stiftung Mozarteum, deren Intendant ich bin, engagieren wir allein in der aktuellen Saison über 30 NachwuchskünstlerInnen in unterschiedlichen Konzertformaten. Viele werden wieder eingeladen und dürfen sich bei uns entwickeln. So leisten wir einen nachhaltigen Beitrag zur Nachwuchsförderung.

Ich hoffe, dass die acht KünstlerInnen, mit denen ich die Freude haben werde, aufzutreten, nicht nur das Konzert selber genießen, sondern dass sich für sie aus diesem Auftritt auch weitere Chancen ergeben. Ich werde jedenfalls tun, was ich kann, um sie zu unterstützen.

Ich freue mich, dass Du meine künstlerischen Aktivitäten so aufmerksam verfolgst. In diesem Sinne – Viva Mozart & abrazos

Hier geht es zum ursprünglichen Brief von Axel Brüggemann

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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