Lieber Timothée Chalamet,

März 6, 2026
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Timothee Chalamet als Wonka

krass, wie Sie die Klassik-Szene in den letzten 48 Stunden mit nur einem Satz auf die Palme gebracht haben. »Ich möchte nicht in Bereichen wie Ballett oder Oper arbeiten«, haben Sie gesagt, »wo es heißt: Haltet das bitte irgendwie am Leben, obwohl sich eigentlich niemand mehr dafür interessiert«. Von der Met in New York bis zur Wiener Staatsoper ernteten Sie dafür in erster Linie Unmut. 

Dabei haben die meisten Opernhäuser in ihren Reaktion leider hauptsächlich eines bewiesen: vollkommene Kritikunfähigkeit und mangelnde Selbstironie. Der größte Teil klatschte einfach ein bisschen Bühnenzauber mit Applaus hinter ihre Sätze, um zu beweisen: »Wir werden doch geliebt!«. Am Ende wirkten wir Klassik-Fuzzis wie eine Insel sich selbst feiernder, humorloser Nerds. Ich habe nur eine Ausnahme gefunden: Die Oper Zürich ließ immerhin ihren Gorgonzilla auf Sie los. 

Natürlich haben Sie keine Ahnung von Oper, Herr Chalamet, aber trotzdem scheinen Sie irgendwie den richtigen Nerv getroffen zu haben. Die bedrohte Spezies der klassischen Musik fühlte sich durch Ihren lässig lachend ausgesprochenen Weltuntergang in die Ecke gedrängt und persönlich beleidigt.

Lieber Herr Chalamet, wenn Sie bald den Oscar bekommen, dann kommen Sie doch einmal in unsere Welt und geben uns ein bisschen Hollywood-Nachhilfe, sonst müssen wir uns irgendwann wirklich noch die Kugel geben.

Ich wünsche Ihnen den Goldjungen von Herzen.

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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