Wolfram Weimer soll Kulturstaatsminister werden

April 27, 2025
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Wolfram Weimer (Foto: ARD)

Die SZ will wissen, dass der Cicero-Gründer und ehemalige Springer-Mann auf Claudia Roth folgen soll.

English summary: The SZ reports that Cicero founder and former Springer editor Wolfram Weimer will succeed Claudia Roth as Minister of State for Culture, surprising many as he has little background in cultural policy.

Berlin (BC) – Der konservative Publizist und Verleger Wolfram Weimer soll neuer Kulturstaatsminister werden. Das erfuhr die Süddeutsche Zeitung am Sonntag aus Kreisen des CDU-Präsidiums. CDU-Chef Friedrich Merz entschied sich damit überraschend für einen Kandidaten, der bisher kaum als Kulturpolitiker in Erscheinung getreten ist. Weimer, geboren 1964, war Gründer des Magazins Cicero und arbeitete unter anderem als Chefredakteur der Welt, der Berliner Morgenpost und des Focus. Seit 2012 leitet er die Weimer Media Group.

Weimer folgt auf Claudia Roth (Grüne), die das Amt bislang innehatte. Seine Berufung kommt überraschend: In den vergangenen Wochen galten andere Namen als Favoriten, darunter Berlins Kultursenator Joe Chialo (CDU), SPD-Kulturpolitiker Carsten Brosda und die kulturpolitische Sprecherin der Unionsfraktion, Christiane Schenderlein. Dass Merz letztlich Weimer auswählte, deutet Beobachtern zufolge darauf hin, dass der Union die Medienpolitik derzeit wichtiger erscheint als konkrete kulturpolitische Akzente.

Weimer reiht sich ein in eine Tradition von Kulturstaatsministern, die nicht aus der klassischen Politik kommen. Auch frühere Amtsinhaber wie der Verleger Michael Naumann oder der Philosoph Julian Nida-Rümelin waren Quereinsteiger. Kritiker werfen der neuen Koalition allerdings vor, Kultur bislang nur am Rande behandelt zu haben. Im Koalitionsvertrag finden sich nur wenige vage Festlegungen.

Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda schrieb auf Bluesky: »Es ist mal wieder Zeit daran zu erinnern, dass Kulturpolitik keine Aufgabe des Bundes ist. Die Länder sind in der Verantwortung – und wir werden sie jetzt auch wahrnehmen müssen. Inhaltlich und strategisch. Neokonservative Parolen sind das letzte, was unsere Kultur jetzt gebrauchen kann.«

Zum Kommentar: Warum Weimer den kulturellen Kurs der CDU verändert

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