Überspannt der Artenschutz den Bogen?

November 2, 2025
1 min read

Geigenbauer und Musiker schlagen Alarm: Der geplante Hochschutz für brasilianisches Fernambukholz könnte das Handwerk und den Handel mit historischen Bögen dramatisch verändern. 

English summary: Luthiers and musicians warn that Brazil’s plan to ban trade in pernambuco wood at the CITES summit in Samarkand could devastate bow making and historic instruments despite support for forest protection.

Berlin/Samarkand (BC) – Auf der Cites-Konferenz in Samarkand (24. November–5. Dezember) will Brasilien seinen Nationalbaum, den Paubrasilia echinata in den Kanon des Washingtoner Artenschutzabkommens aufnehmen. Die Konsequenz: Der internationale Handel mit dem Holz wäre nahezu verboten. Für die Herstellung edler Geigenbögen ist Fernambuk seit 250 Jahren unersetzlich. Fachleute wie der Londoner Instrumentenexperte Florian Leonhard begrüßen zwar den Waldschutz, warnen aber vor einer »kulturhistorischen Katastrophe«, wenn auch der Handel mit so genannten »Meisterbögen« untersagt würde. 

Durch seine außergewöhnliche Dichte, Elastizität und Spannkraft verleiht das Holz dem Bogen eine feine Balance aus Stabilität und Flexibilität, die eine besonders virtuose Tonbildung ermöglicht. Kein anderes Holz reagiert gleichermaßen präzise auf den Druck und die Bewegungen des Spielers. Deshalb betrachten Bogenbauer aus Tradition und Erfahrung das Material als unersetzlich – sowohl für historische Originalinstrumente als auch für zeitgenössische Spitzenbögen.

Bei der letzten Cites-Konferenz 2022 war ein ähnlicher Vorschlag nach Protesten der Musikszene bereits entschärft worden. Damals blieb der Handel mit fertigen Bögen erlaubt, während der Export von Rohholz stärker kontrolliert wird. Möglich, dass diese Regeln nun verschärft werden.

BackstageClassical

BackstageClassical bringt Ihnen Debatten und Nachrichten aus der klassischen Musik. Die Seite ist kostenfrei. Bestellen Sie unseren Newsletter oder unterstützen Sie unseren unabhängigen Musikjournalismus durch Ihre Spende.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Neues Orchester in Paris

Raus aus dem Operngraben, rauf auf die Konzertbühne: 116 der 174 Musiker des Orchesters der Pariser Oper haben mit Philopéra ein eigenes Symphonieorchester gegründet.

Von Beethoven bis Blondie: Warhol zum Auflegen

Bevor Andy Warhol Suppendosen und Marilyn Monroe zu Ikonen der Pop-Art machte, gestaltete er Plattencover. Rund vier Jahrzehnte blieb er dem Medium treu – von Klassik und Jazz bis Velvet Underground, Rolling

Hat die Oper Bonn eine Zukunft?

426 Millionen Euro für einen Neubau – oder bald gar keine Oper mehr? Die Finanzkrise in Bonn stellt plötzlich die Zukunft der städtischen Bühnen infrage. Im Stadtrat wird bereits über eine Schließung

Von der Straße in den Klangrausch

Das Lucerne Festival will raus aus dem Konzertsaal – und zugleich die großen Orchester feiern. Der neue Intendant Sebastian Nordmann schickt junge Musiker auf die Straßen, und das KKL bleibt, was es

Liebe Auslastungszahlen,

99 Prozent in München, mehr als 99 Prozent in Salzburg, Besucherrekorde überall: Die Klassik feiert ihre Auslastung. Aber was sagen volle Häuser eigentlich aus – außer, dass Intendanten gern mit Zahlen protzen?