Trauer um den Opernregisseur Otto Schenk

Januar 9, 2025
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Otto Schenk auf der Bühne (Foto ORF)

Otto Schenk ist mit 94Jahren verstorben. Der Schauspieler war als Regisseur auch ein Meilenstein der Operngeschichte.

English summary: Otto Schenk is dead. Born in Vienna on June 12, 1930, he was a towering figure in opera, celebrated for his humor, emotional depth, and focus on the humanity of his characters. A master of realistic yet deeply musical staging, he balanced fidelity to the score with vivid, opulent storytelling. His legendary productions, such as Wagner’s Ring at the Met, brought profound intimacy to monumental works. Trusted by great conductors like Karajan and Abbado, Schenk’s legacy bridges tradition and timeless artistry, making him a true theater legend.

Otto Schenk ist tot. Er hat die Oper geprägt wie nur wenige: Humor, emotionale Tiefe und – vor allen Dingen Menschlichkeit zeichneten seine Arbeiten aus. Im Zentrum stets, die Figuren in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen.

Schenk wurde von seiner Heimatstadt Wien geprägt, in der er am 12. Juni 1930 geboren wurde. Hier wurde er als Schauspieler ausgebildet und flirtete schnell mit der Opernbühne. Im Fokus dabei nicht nur die Stimme, sondern die dramatische Psychologie der Werke. In ihr öffnete er neue Dimension des Musiktheaters. »Ich war eigentlich immer Theater«, sagte Schenk einmal. »Ich war Theater, bevor ich überhaupt wusste, was Theater ist. Das Theater aber war mir in der Kindheit widerlich. Ich bin schreiend aus dem Burgtheater nach gewissen Vorstellungen, in die mich meine Eltern aus erzieherischen Gründen hineingeführt haben.«

Ein Meister des Realismus

Schenk war ein Verfechter der Werktreue, ohne dabei in konventionellen Bahnen zu verharren. Seine Inszenierungen wurden oft als »realistisch« bezeichnet. Aber dieser Realismus war durch seine präzise Kenntnis der Partitur geprägt, durch seine tief empfundene Liebe zur Musik und seine Gespür für Timing. Er verstand es, das Drama bildhaften, oft opulent und trotzdem auf den Kern zu erzählen. 

Otto Schenks Inszenierung von Wagners »Ring« an der MET in New York (Foto: MET)

Legendär ist seine Inszenierung von Wagners Ring des Nibelungen an der Metropolitan Opera in New York (1986–1989). Schenk bewies ein Gespür für die Balance zwischen monumentaler Größe des Werkes und der Intimität seiner Charaktere. Seine Arbeiten mit Verdi und Mozart – von Don Carlo bis Le nozze di Figaro – wurden weltweit gefeiert und waren Dauerbrenner. 

Humor, Menschlichkeit und Präzision

Schenk wurde von großen Dirigenten wie Herbert von Karajan, James Levine und Claudio Abbado geschätzt und genoss das Vertrauen der renommiertesten Opernhäuser, darunter der Wiener Staatsoper, der Bayerischen Staatsoper und der Salzburger Festspiele. Schenk selber wäre gern Dirigent geworden: »Dirigent? Das wäre überhaupt mein Traumberuf gewesen«, sagte er einmal. »Aber dazu hat es an musikalischem Können nie gereicht. Schon meine Versuche, Klavier zu spielen, sind an ungeschickten Fingern gescheitert und an Lustlosigkeit am Üben. Jedenfalls sind die Noten nicht die Musik.« 

Otto Schenk war mehr als ein Regisseur: Er war ein Erzähler. Er erzählte seine Geschichten in einer Sprache, die universell verständlich war: der Sprache der Musik und des menschlichen Ausdrucks.

Ein bleibendes Vermächtnis

Während das Regietheater neue Experimente wagte, blieb er der Musik und den Komponisten treu, ohne sich den Vorwurf der Stagnation gefallen lassen zu müssen. Seine Inszenierungen waren lebendig und von einer tiefen Kenntnis des Stoffes und seiner Liebe zu den Charakteren durchdrungen.

Ob er eine Theaterlegende sei, wurde Schenk einmal gefragt: »Das klingt a biss’l schon wie a Grabschrift«, hatte er damals geantwortet. Nun ist er es endgültig: Otto Schenk, eine Theaterlegende.

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