Studie zur russischen Kulturpolitik

Februar 22, 2026
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Vladimir Putin verleiht Justus Frantz einen Orden.

Kultur als Waffe: Der Politikwissenschaftler Martin Malek zeigt, wie der Kreml Kultur, Sprache und »Soft Power« zur Durchsetzung außenpolitischer Ziele einsetzt und widerspricht dem Philosophen Konrad Paul Liessmann.

Der Politikwissenschaftler Martin Malek zeichnet in einem ausführlichen Essay auf Opern.news nach, wie der Kreml die Kultur seit Jahren systematisch als machtpolitisches Instrument einsetzt. Ausgangspunkt seiner Analyse sind offizielle russische Strategie- und Sicherheitsdokumente, in denen Kultur, Kulturdiplomatie und »Soft Power« ausdrücklich als Werkzeuge zur Durchsetzung außenpolitischer und wirtschaftlicher Interessen definiert werden. Kultur soll, so heißt es etwa, »ein wirksames Instrument sein, um die außenpolitischen und wirtschaftlichen Interessen unseres Landes zu sichern« und das »positive Image« Russlands zu formen.

Malek widerspricht dabei scharf der oft wiederholten Behauptung Wladimir Putins und westlicher Intellektueller wie Konrad Paul Liessmann, die »große russische Kultur« werde im Westen »gecancelt«. Von einem systematischen Tilgen Tschaikowskis oder Dostojewskis könne keine Rede sein; solche Klagen dienten vor allem einer propagandistischen Opfererzählung. Stattdessen zeigten die offiziellen Papiere, dass Moskau Kultur offensiv zur Einflussnahme im Ausland nutzt – bis hin zur Verknüpfung mit »nationaler Sicherheit« und dem Kampf gegen eine angebliche »ideologische Expansion« des Westens.

Zentral ist dabei die Aufwertung der »russischen« (russkaja) Kultur und Sprache zur identitätsstiftenden Leitkultur eines »staatsbildenden Volkes«, während die Kulturen nicht-russischer Völker unter massivem Russifizierungsdruck stehen und international kaum vermittelt werden. Gleichzeitig setzt der Kreml auf eine millionenstarke Diaspora und ein dichtes Netz staatlich gelenkter Kulturzentren im Ausland, die als Hebel zur Verbreitung russischer Narrative und zur Gewinnung von »Freunden Russlands« dienen sollen – auch in EU-Staaten, in denen Einrichtungen wie das »Russische Haus« in Berlin weiterhin nahezu ungehindert agieren.

Die in den Dokumenten beschworene »kulturelle Souveränität« bedeutet aus Maleks Sicht faktisch eine ideologische Abschottung nach außen und einen eng geführten Kulturbegriff nach innen. Die ständige Klage über »Russophobie« und eine angebliche Verfälschung der Geschichte kontrastiert er mit der Realität des Angriffskrieges gegen die Ukraine: Die gezielte Zerstörung ukrainischer Kultureinrichtungen sei die brutale Konsequenz einer Kulturdoktrin, in der Kunst und Kultur nicht Raum freier Auseinandersetzung, sondern integraler Bestandteil eines imperialen, militaristischen Projekts sind.

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