Regeln für Bogenholz verschärft

Dezember 10, 2025
1 min read

Die CITES-Vertragsstaatenkonferenz hat die Schutzbestimmungen für Fernambukholz (Pernambuk) deutlich verschärft, zugleich aber eine weitgehende Entwarnung für reisende Musikerinnen und Musiker gegeben.

Auf der Konferenz in Samarkand beschlossen die Vertragsstaaten des Washingtoner Artenschutzübereinkommens zusätzliche Handelsbeschränkungen für Paubrasilia echinata, den brasilianischen Nationalbaum, dessen Holz als Fernambuk im Bogenbau genutzt wird. Die Änderungen treten völkerrechtlich 90 Tage nach dem Beschluss in Kraft und müssen anschließend in der EU und anderen Staaten in nationales Recht umgesetzt werden.

Fertige Musikinstrumente und Bögen mit Fernambuk-Anteil bleiben für nichtkommerzielle Zwecke – etwa Konzertreisen oder Proben – genehmigungsfrei, solange weder Verkauf noch Eigentumswechsel stattfinden. Damit entfällt für professionelle Orchestermusiker wie für Amateure in aller Regel die Sorge, dass bereits vorhandene Bögen an der Grenze beschlagnahmt werden könnten.

Konsequenzen für Handel und Bogenbau

Strenger reguliert wird hingegen der kommerzielle Handel mit Fernambuk und Fernambukbögen. Für den Verkauf aller neuen und bereits bestehenden Bögen sind künftig spezielle CITES-Genehmigungen notwendig, bei denen der legale Ursprung des Holzes nachgewiesen werden muss. Wild geerntetes Fernambuk ohne Herkunftsnachweis darf nicht mehr gehandelt werden; innerhalb der EU reicht der Nachweis des legalen Erwerbs ab Inkrafttreten der neuen Verordnung.

Bogenbauer und Händler warnen seit Längerem, dass ein noch weitergehendes Verbot den traditionellen Bogenbau und den Markt für historische Meisterbögen empfindlich treffen könnte. Zugleich sehen viele Werkstätten die verschärften Kontrollen als Anreiz, die bereits begonnenen Aufforstungs- und Nachhaltigkeitsprojekte weiter auszubauen.

Hintergrund: Bedrohte Baumart

Der Brasilbaum Paubrasilia echinata stammt aus dem atlantischen Regenwald und ist seit Jahrzehnten durch Abholzung und Brandrodung stark bedroht. Die Art steht seit 1992 auf der Roten Liste gefährdeter Pflanzen und seit 2007 im Anhang II von CITES; nun werden die Kontrollen weiter verschärft, ohne ein vollständiges Handelsverbot für fertige Bögen einzuführen.

Holz aus Fernambuk gilt seit rund 250 Jahren als nahezu unersetzlich für hochwertige Streicherbögen, weil es Festigkeit, Elastizität und Klangübertragung in einzigartiger Weise verbindet. Fachverbände der Musikwelt hatten deshalb im Vorfeld vor einer „kulturhistorischen Katastrophe“ gewarnt, sollte der Handel mit hochwertigen historischen Bögen vollständig unterbunden werden.

Reaktionen von Politik und Musikszene

Das Bundesumweltministerium spricht von einem „Verhandlungserfolg für Artenschutz und Musiker*innen“, weil der Export der bedrohten Art schärfer kontrolliert, der nichtkommerzielle Gebrauch von Instrumenten aber nicht unnötig eingeschränkt wird. Deutschland hatte sich im Rahmen der Konferenz für strenge Nachhaltigkeitskontrollen bei gefährdeten Baumarten eingesetzt, zugleich aber für praktikable Ausnahmen im Kulturbereich geworben.

Musikverbände und Bogenbauer reagieren überwiegend erleichtert, fordern aber Planungssicherheit bei der praktischen Umsetzung der Genehmigungspflichten. Branchenvertreter verweisen auf seit Jahren laufende Initiativen zur Aufforstung von Fernambukbeständen und auf Forschungsprojekte zu alternativen Materialien, die nun weiter gestärkt werden sollen.

Text auch mit Hilfe von KI geschrieben

BackstageClassical

BackstageClassical bringt Ihnen Debatten und Nachrichten aus der klassischen Musik. Die Seite ist kostenfrei. Bestellen Sie unseren Newsletter oder unterstützen Sie unseren unabhängigen Musikjournalismus durch Ihre Spende.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Rettungspläne für Eutin?

Die Eutiner Festspiele fallen nach der Absage der Spielzeit 2026 vorerst aus, doch Politik und Stadt sprechen intensiv über Modelle für einen Neustart in veränderter Form. Im Raum stehen unter anderem neue

Lieber Andris Nelsons,

manchmal sind Kritiker einfach nur schlecht gelaunte Spaßbremsen. Muss man nicht ernst nehmen! Aber dieser David Allen von der New York Times, der hat Sie nun ganz schön durch die Mangel gedreht:

»Die Eutiner Festspiele dürfen nicht sterben«

Die Eutiner Festspiele stehen vor dem Aus. Die Stadtpolitik will die Veranstaltung nicht weiter tragen. Der international tätige Opernregisseur Anthony Pilavachi hat hier den »Freischütz« inszeniert und kann es nicht fassen.

Die Zukunft der Klassik auf TikTok

PODCAST: Wie verändert KI das Marketing von Klassik-Künstlern? Wie organisieren wir die Konsolidierung des Marktes? Und Welche Formate müssen wir für TikTok und Instagram finden? Antworten von Krystian Nowakowski.

Lieber MDR,   

das war‘s also! Schluss. Ende. Aus. Du hast die terrestrische Ausstrahlung Deines Klassik-Senders eingestellt. »Nicht mehr zeitgemäß«, sagst Du. Kann man ja auch streamen.  Dabei bist Du sonst doch gar nicht so

Das Reich der kulturellen Mitte

China profitiert vom Chaos der Welt. Auch kulturell. In Peking gastieren sowohl Valery Gergiev und sein Mariinksy Orchester als auch die Berliner Philharmoniker mit Kirill Petrenko.  

Liebe deutsche Schule,

früher hätte man vielleicht gesagt: »Du bist derzeit von einer curricularen Simplifizierung und inhaltlicher Entkernung geprägt, bei der nachhaltige Erkenntnisprozesse zugunsten kurzfristiger Kompetenzsimulation substituiert werden.« Aber wenn man so wäre wie Du,

Verpassen Sie nicht ...