Jeder will eine Stradivari. Wirklich jeder? Es gibt großartige Instrumente, die heute gebaut werden. Im BackstageClassical-Podcast erklärt Geigenbauerin Julia Pasch, warum ein neues Instrument durchaus Vorteile für Solisten aber auch für Orchester haben kann.
Geigenbauerin Julia Pasch fordert ein neues Selbstbewusstsein ihres Handwerks und eine Abkehr vom reinen Kopieren legendärer Vorbilder wie Stradivari oder Guarneri. Der »Mythos Stradivari« bestimme zwar weiterhin den Markt und treibe die Preise für historische Instrumente in zweistellige Millionenhöhen. Doch Pasch setzt auf Neubauten, die auf die individuellen Bedürfnisse heutiger Musiker zugeschnitten sind.
»Die Kopie ist nie so gut wie das Original«, sagt die Geigenbauerin im BackstageClassical-Podcast. Pasch, eine Schülerin des renommierten Geigenbauers Stefan Peter Greiner, fertigt in ihrem Wiener Atelier Instrumente, die sich zunehmend gegen die Jahrhunderte alten Originale in Spitzenorchestern durchsetzen. Dabei verbindet sie traditionelle Handarbeit mit modernen Analysemethoden. Präzise Vermessungen und internationaler Austausch via Internet ermöglichen es ihr, ein tieferes Verständnis für die Bauprinzipien der alten Meister zu entwickeln. Ziel sei ein »Merge« – eine Verbindung der besten Eigenschaften verschiedener Schulen, etwa die Strahlkraft einer Stradivari mit der Wärme eines Montagnana-Cellos.
Für Pasch liegt der wahre Fortschritt darin, das Handwerk als lebendige Kunst weiterzuentwickeln. Ein Neubau biete entscheidende Vorteile, erklärt sie: Während ein 300 Jahre altes Instrument in seinem Klang weitgehend festgelegt sei, könne ein modernes gezielt auf den Stil und die klanglichen Vorstellungen des Musikers (oder eines ganzen Orchesters) abgestimmt werden. Dass viele Profis dennoch auf historische Instrumente setzen, sieht sie vor allem als Folge psychologischer und prestigebedingter Faktoren.
Trotz zunehmender Digitalisierung bleibt Pasch der Handarbeit verpflichtet. Das Bauen einer Geige dauert ein bis zwei Monate, doch wegen hoher Nachfrage müssen Solisten und Konzertmeister oft drei bis vier Jahre auf ihr Instrument warten. Für die Zukunft erwartet Pasch ein wachsendes Selbstbewusstsein ihrer Zunft – und einen Geigenbau, der Gegenwart und Tradition zu einer neuen Klangsprache verbindet.

