Lieber Wolfram Weimer,

Oktober 31, 2025
1 min read
Wolfram Weimer (Foto Kanzleramt, ZDF, Collage BC)

Sie waren selber Pressemann: Springer-Chef, Cicero-Erfinder und sind – noch immer – mit gescheitelten 50 Prozent: Inhaber der Weimer Media Group! Jetzt sind Sie Politiker. 

Um so dringender müssen wir Mal über den Umgang mit Medien reden! Sind Ihre neuen Presse-Kettenhunde eigentlich berufsbedingte Kläffer, oder werden Sie auf Ihren Wunsch von der Leine gelassen? Ich bin irritiert.

Neulich habe ich einen Text über Sie geschrieben. Über den Kulturminister mit der emotionalen Wohlfühlecke für alle Konservativen, denen Fritze Merz – Ihr alter Kanzler-Kumpel – zu viele Kompromisse schließt. Und plötzlich schrieb mir (wau, wau!) einer Ihrer Medien-Wuffis, dass ich wohl lediglich einen »entfernten Blick von der Seitenlinie« auf Sie hätte. Und dann (kuschel-kuschel!), ob ich nicht ein Interview mit ihnen führen wolle (winsel-winsel!). 

Doch Ihr Wuffi hat zu früh gebellt. Denn ich hatte für meinen Text damals ja bereits ein Interview bei Ihnen angefragt. Aber Sie wollten wohl lieber Kuschel-Medien-Auftritte absolvieren. Ich habe Ihre Presseleute auch in Sachen Bayreuth angefragt – und bekam eine professionelle »Blabla«-Antwort. Wenn es eine Seitenlinie gibt, lieber Wolfram Weimer, haben Ihre Medien-Beißer sie selber aufgemalt!

Ich habe Ihrem aktuellen Gesprächsangebot natürlich sofort zugesagt. Aber dann bat mich Ihr Kollege, ihm Fragen zu schicken, die Sie (oder er?) dann schriftlich beantworten würden.

Was hätten Sie als Journalist zu so einer Antwort gesagt? Ihre Media Group steht gerade wegen ungefragt veröffentlichter Reden in der Kritik. Ein Artikel ist eben kein Spiegel, in dem man sich einfach nur geil finden kann, und Medien-Anfragen keine Wellness-Oase des eigenen Egos!

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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