Lieber J.M. Coetzee,

Oktober 28, 2025
1 min read
Der Autor JM Cotzee (Foto: Universität Adelaide)

was soll das überhaupt? Literatur? Kunst? Moral? Sie Sind nicht Nobelpreisträger, weil Sie Antworten geben. Sie sind Nobelpreisträger, weil Sie KEINE Antwort geben! Ihre Kunstfigur, Elisabeth Costello, liest uns die Leviten, indem sie selbst die Frage in Frage stellt: Welchen Sinn hat die Kunst? Müssen wir Fragen beantworten? Ja, müssen wir sie überhaupt stellen?

Elisabeth Costello ist Dialog, Vortrag, Essay und Literatur – und soll nun auch zur Oper werden: 2027 für La Monnaie! Ich freue mich drauf! »Es gibt keine Position außerhalb der Vernunft, aus der man über die Vernunft sprechen und über sie richten kann.«

Ich freue mich auch über Monster‘s Paradise von Ihrer Nobelpreisträger-Kollegin Elfriede Jelinek. Sie beide wissen, dass nur der Wahnsinn der Oper dem Wahnsinn unserer Welt Paroli bieten kann! Die Oper ist ein Monster, das sich unserer monsterhaften Welt entgegenstellt. Mit Tönen! Die Oper ist ein monsterfressendes Monster aus Musik! Oper gibt KEINE Antworten. Sie ist tönende Indifferenz! Sie ist nur da, um an den Grenzen unserer Vorstellungskraft zu kratzen. Oder wie Sie es Sagen, Herr Cotzee: »Überzeugungen sind nicht die alleinigen ethischen Stützen, die wir haben. Wir können uns auch auf unser Herz verlassen.«

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Eine Prestige-Oper für Shanghai

Ein weißer Fächer am Ufer des Huangpu, drei Bühnen mit 4.200 Plätzen und ein Dach, das allen gehört: Shanghai hat eines der spektakulärsten Opernhäuser der Welt eröffnet. Der Neubau ist auch ein

Was soll das, Bonn?

Anne Netrebko kommt nach Bonn. Die Hütte ist voll. Den Intendanten freut’s. Aber ist es wirklich ein Grund zur Freude, wenn eine der zweifelsohne bekanntesten, aber auch nicht unumstrittenen Sängerinnen unserer Zeit

Lieber François-Xavier Roth,

Heftige Proteste gegen François-Xavier Roth Bei den Donaueschinger Musiktagen - das richtet sich nicht nur gegen ihn, sondern auch gegen die SWR-Leitung.

Neue Chefs, alte Konflikte

Auf den Opernbühnen wird protestiert, in Sachsen ums Überleben gekämpft, und auch hinter den Kulissen fliegen die Fetzen. Immerhin: Solange wir streiten, ist unsere Kunst lebendig.

Neue Intendanz rein! Altes Ensemble raus?

Heute Abend protestierten Künstlerinnen und Künstler in Düsseldorf auf offener Bühne gegen Vertragskündigungen durch die neue Intendantin Ina Karr. Und auch in Münster wird gegen den Kurs des designierten Intendanten Neil Barry

Die 5 der Woche: Zwischen Meeresrausch und Orgelwahn

Fünf neue Aufnahmen, fünf kleine Abenteuer: Vaughan Williams zwischen Meer und Monument, Galuppis Geschlechterkampf auf der Operninsel, Kopatchinskaja und Say im kontrollierten Wahnsinn, Hans Winterberg als große Wiederentdeckung – und Alkan mit

Verpassen Sie nicht ...