»Die Geige kann unserer Zeit Tiefe geben«

Juni 23, 2025
1 min read
Die Geigerin Rebekka Hartmann (Foto: Lehmann)

Rebekka Hartmann veröffentlicht neues Album: Musikalische Reise durch Europas Seele und Zeiten

English summary: Violinist Rebekka Hartmann’s new album, recorded with Kent Nagano and the Rachmaninoff International Orchestra, explores Europe’s identity through works by Hartmann, Ravel, and Sadikova. It’s a journey from darkness to light, aiming to inspire reflection, connection, and emotional depth through music.

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Die Geigerin Rebekka Hartmann veröffentlicht ein neues Album mit Werken von Hartmann, Ravel und Sadikova. Eine Art »Soundtrack Europas« und eine »Reise von der Dunkelheit ins Licht«. Die Aufnahme entstand in Zusammenarbeit mit dem Rachmaninoff International Orchestra und dem Dirigenten Kent Nagano und widmet sich der Frage, wie Musik unsere Identität definieren, an die Vergangenheit erinnern und Ideen für die Zukunft entwickeln kann. 

Im Podcast von BackstageClassical erklärt Rebekka Hartmann, wie die drei Werke einen Blick auf Europa werfen. Karl Amadeus Hartmanns Concerto funebre ist der persönliche Protest des Komponisten gegen das Naziregime und den Faschismus. Es folgt Maurice Ravels Tzigane als Plädoyer für die Freiheit der Roma. Das Werk Stradivari der Komponistin Aziza Sadikova schlägt eine Brücke in die Moderne und ist inspiriert von einem Film über eine gestohlene Geige. 

Rebekka Hartmann sieht in der Musik einen Gegenpol zur Oberflächlichkeit der heutigen Zeit und möchte durch sie ein Fundament aufzeigen, das unter der chaotischen Oberfläche unserer Gegenwart liegt.

Für Hartmann ist die Geige, insbesondere ihre Stradivari von 1675, ein Instrument, das sie als ihre Stimme begreift, »im Grunde wie ein Gesang, aber ohne Worte – eine unfassbare Kraft des Ausdrucks jenseits der Sprache.» Hartmann versteht sich als »Gast auf dieser Geige«, die ihre eigene Geschichte trägt und durch ihr Spiel in die Zukunft weitergetragen wird. 

Kent Nagano, der kürzlich ein Konzert in Kiew dirigierte, schuf bei den Aufnahmen einen »wundervollen musikalischen inspirierenden Raum«, in dem der Intellekt zu Hause sei, erklärt Hartmann. Und das Rachmaninoff International Orchestra, einst von Michail Pletnev in der ehemaligen Sowjetunion gegründet, vereint heute Russen, Ukrainer und Slowaken und verkörpert ebenfalls den völkerverbindenden Aspekt der Musik. 

Mit dem Album möchte Hartmann ein Statement setzen und äußert die Hoffnung, dass die Aufnahme »eine gewisse Reflexion und eine menschliche Erfahrung durch das Zuhören bewirkt«. Insbesondere die Klarheit und Tiefe in Hartmanns Werk, das Feuer und die Energie in Ravels Tzigane sowie die provokante Stimme Sadikovas sollen die Zuhörer berühren und zum Nachdenken anregen. 

Das Album von Rebecca Hartmann, dem Rachmaninoff International Orchestra und Kent Nagano erscheint bei Farao Classics.

Karl Amadeus Hartmann | Concerto funebre – für Violine und Streichorchester
Maurice Ravel | Tzigane – Rhapsodie für Violine und Orchester
Aziza Sadikova | Stradivari – für Violine und Orchester

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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