Machtkampf: Rückt die GEMA die Klassik in die Ecke?

Juni 21, 2025
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der Komponist Moritz Eggert (Foto: Jürgen Bauer)

Kein stimmberechtigter E-Komponist im GEMA-Aufsichtsrat, und der Präsident des Deutschen Komponistenverbandes, Moritz Eggert, ignoriert Rücktrittsforderungen. 

English summary: No classical composer has voting rights on GEMA’s board, and DKV President Moritz Eggert rejects calls to resign after leading a successful protest against a GEMA reform that would cut classical privileges.

Stellt die Verwertungs-Gesellschaft GEMA die Komponistinnen und Komponisten klassischer Musik gerade ins Abseits? Erst kürzlich hatte der GEMA-Aufsichtsrat bei einer Generalversammlung einen herben Dämpfer einstecken müssen, als die Klassik-Komponierenden einen unerwarteten Protest gegen die geplante GEMA-Reform organisierten. Sie sah vor, Privilegien klassischer Komponistinnen und Komponisten abzuschaffen. Obwohl lediglich neun Prozent der GEMA-Mitglieder Klassik komponieren, gelang es, eine 36 Prozent-Sperrminorität gegen die geplanten Verteilkriterien zu organisieren und die Reform zu verhindern. Unter anderem auch, indem die Kurie der Musikverleger gegen die Reform stimmte. 

Der große Verlierer der letzten GEMA-Versammlung war der Aufsichtsratsvorsitzende Ralf Weigand, der keinen Hehl daraus machte, dass die Reform seine Herzenssache war. Die Proteste gegen die neuen Verteilungsschlüssel wurden federführend vom Präsidenten des Deutschen Komponistenverbandes (DKV), Moritz Eggert, orchestriert. Und offensichtlich gelang es ihm – gemeinsam mit anderen E-Musikerinnen und -Musikern – viele Sympathisanten für die Sache zu mobilisieren. Dass beim Ringen um den neuen Verteilungsschlüssel zuweilen auch mir harten Bandagen gekämpft wurde (Eggert produzierte 100 zum Teil polemische Videos gegen die Reform), gefiel nicht allen.

Die Deutsche Filmkomponistenunion (DEFKOM) kritisierte Eggerts Vorgehen und der Vorstand forderte angeblich einstimmig Eggerts Rücktritt als Präsident des Deutschen Komponistenverbandes. Zur Begründung hieß es, Eggert hätte trotz mehrfacher Ermahnungen die Positionen des DKV nicht ausgewogen in der Öffentlichkeit dargestellt. Der Vorstand empfahl seinen Mitgliedern den Austritt aus dem DKV, falls die DEFKOM weiterhin nicht angemessen durch die Kommunikation des DKV repräsentiert würde und der Präsident nicht zurückträte. Die DEFKOM stellte ein Ultimatum, das letzten Dienstag ablief. 

Ausgerechnet am Tag nach Ablauf dieses Ultimatums wurde bekannt, dass mit Charlotte Seither die einzige E-Musikerin den Aufsichtsrat der GEMA verlässt. Seither war eine moderate Stimme der E-Musik innerhalb der Verwertungsgesellschaft. Im neuen Präsidium sitzt nun gar kein klassischer Komponist mit Stimmrecht mehr – Johannes Schachtner bleibt als Stellvertreter ohne Stimmrecht.

Moritz Eggert hat die Rücktrittsforderungen der DEFKOM inzwischen zurückgewiesen und ist im Amt geblieben. Es scheint, dass er den DKV als kritischen und unabhängigen Verband bewahren und nicht zum Spielball der GEMA machen will. Auf Anfrage von BackstageClassical gab es bis Freitagabend keine Austritte aus dem DKV von Film-Komponierenden auf Grund der aktuellen Situation. Inzwischen scheinen nicht nur E-Komponisten Eggert den Rücken zu stärken.

Tatsächlich hatte Eggert, auch nachdem die Reformpläne der GEMA gescheitert waren, den Befürwortern der Reform immer wieder Gesprächsangebote gemacht und dafür plädiert, dass der GEMA-Vorstand und die Klassik-Komponisten gemeinsame Lösungen für eine dialogische Reform finden.

Inzwischen scheinen die Fronten verhärtet, und besonders auf Seiten der GEMA ist auffällig, dass die Klassik-Komponierenden immer weiter an den Rand gedrängt werden. Statt des dringend nötigen Dialogs, der ja für viele GEMA-Mitglieder, die gegen den Reform-Vorschlag stimmten, im Vordergrund stand, scheint ein Teil des Aufsichtsrats nun eher eine noch härtere Gangart gegen die Klassik-Sparte zu planen. Aber die Klassik-Komponierenden scheinen ebenso überzeugt auf weitere Mitsprache zu bestehen.    

Transparenzhinweis: Axel Brüggemann hat gemeinsam mit Moritz Eggert das Stück „Nine, Nine, Nine“ geschrieben.

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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