Übergriffe an der Philharmonie Köln

August 22, 2024
1 min read
Die Kölner Philharmonie (Foto: Philharmonie, Erbring)

Eine »hochrangige Führungskraft« der Kölner Philharmonie wird beschuldigt, bei einer Betriebsfeier übergriffig geworden zu sein – das Verfahren dauert an. Nun greift die Oberbürgermeisterin ein. 

Bei einer Betriebsfeier der Kölner Philharmonie am 4. Oktober 2022 soll es zu Übergriffen gekommen sein: Zwei Mitarbeiter hatten sich über die das übergriffige Verhalten einer »hochrangigen Führungskraft« beschwert. Doch der Vorfall ist bis jetzt ungenügend aufgeklärt: am 18. November fand offenbar ein Gespräch zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat statt – aber es passierte wenig. Als fünf Monate später immer noch nichts passiert war, haben sich die Betroffenen an die Beschwerdestelle Themis gewandt. Über diesen Fall haben die Journalisten Matthias Bendorf und Tim Attenberger für den Kölner Stadtanzeiger lange recherchiert. 

Das Erschreckende ist, dass die Fälle bis zur Meldung bei Themis auch nicht bei der Aufsichtsratsvorsitzenden, Oberbürgermeisterin Henriette Reker, landeten. Sie erfuhr erst am 26. Mai von den Vorfällen. Am 27. Mai folgte eine offizielle Ermahnung: »Durch die Beschwerden der oben genannten betroffenen Mitarbeiter wurde sichtbar, dass es bei der Köln-Musik keine hinreichend funktionierende Beschwerdestelle nach dem AGG, jedenfalls aber kein hinreichend funktionierendes Beschwerdeverfahren gibt.« Und tatsächlich ist der Vorfall bis heute nicht wirklich aufgeklärt. Bis 16. Januar 2024 war die Kanzlei Seitz als AGG-Beratungsstelle tätig. Sie kam zu »keinem eindeutigen rechtlichen Ergebnis« und sprach von »eher niedriger Intensität». Der Aufsichtsrat erklärte aber, dass das Verhalten der Führungsperson »unangemessen und grenzüberschreitend« gewesen sei. Themis kritisiert, »dass bei Köln-Musik kein Wissen bestehe, wie ein derartiges Verfahren durchzuführen« sei. Intendant der Kölner Philharmonie ist Louwrens Langevoort.

BackstageClassical liegen (bislang unbestätigte) Informationen vor, nach denen es immer wieder zu Belästigungen junger Männer und Saaldiener durch die »hochrangige Führungskraft« in der Philharmonie gekommen sei – bereits 2007 soll es schon Mal Beschwerden gegeben haben, die allerdings ohne Konsequenzen blieben. 

Besonders nach der aktuellen Debatte um den Kölner GMD François-Xavier Roth und dessen Dicpick-Affäre tut Aufklärung Not. Es wird immer deutlicher, dass Köln offenbar ein strukturelles Führungsproblem hat. 

BackstageClassical

BackstageClassical bringt Ihnen Debatten und Nachrichten aus der klassischen Musik. Die Seite ist kostenfrei. Bestellen Sie unseren Newsletter oder unterstützen Sie unseren unabhängigen Musikjournalismus durch Ihre Spende.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Publikumsbeschimpfug ist auch keine Lösung, Herr Mondtag

Ersan Mondtag nennt das Salzburger Publikum nach den Buh-Rufen für seine „Ariadne auf Naxos“ provinziell. Doch wer Kritik als Unfähigkeit abtut, verwechselt künstlerischen Anspruch mit Überheblichkeit – und verliert den Respekt vor

BackstageClassical ist in den Sommerferien

Die Klassik-Welt dreht weiter, aber wir machen Ferien. Am 1. September sind wir wieder für Sie da – mit täglichen News aus der Welt der Klassik. Bis dahin hier ein wenig Lektüre und

Friedman, Rienzi, Ring und Co. – eine Bayreuth-Bilanz

Peter Huth, ehemaliger Chefredakteur der Welt am Sonntag und Kommunikationschef von Axel Springer, bespricht mit Axel Brüggemann die erste Festspielwoche im Podcast von BackstageClassical. Auch Nathalie Stutzmann, Michel Friedman oder Katharina Wagner

Warum fällt Hinterhäuser der Abschied so schwer?

Markus Hinterhäuser ist nicht mehr Intendant der Salzburger Festspiele. Dennoch ist er allgegenwärtig. Der Streit um seine Trennung wirft Fragen nach Transparenz auf – und nach der Fähigkeit, ein Amt auch wirklich

Rienzi ist Wagners Monster

Die Dirigentin Natalie Stutzmann und die Regisseurinnen Alexandra Szemerédy und Magdolna Parditka haben in Bayreuth mit ihrer Lesart von Wagners Rienzi begeistert – hier blicken sie hinter die Kulissen und erklären Ihre Ansätze.

Neuer Blick auf Karajan

Karajans Rolle im Nationalsozialismus muss historisch genau betrachtet werden, sagt Biograf Wolfgang Rathert und fordert wissenschaftliche Sachlichkeit in der Karajan-Debatte. Dabei attestiert er dem Dirigenten Skrupellosigkeit in seiner Karriere.

12 Wurstfinger und ein König

Der KI-Ring in Bayreuth ist ein anstrengendes Unterfangen. Die von Marcus Lobbes kuratierten Bilder erinnern an die Pionierzeit der künstlichen Intelligenz. All das scheint nicht nur das Publikum abzulenken, sondern auch das

Diktator sind wir alle

150 Jahre Bayreuth: Zwischen Festakt und Rienzi drehen die Festspiele ihre eigene Geschichte durch den Necker-Würfel. Ein Essay über Erinnerung, Macht, Populismus – und die Verantwortung jedes Einzelnen.

Lieber Igor Levit,

Igor Levit und Danger Dan dürfen beim ZDF nicht auftreten – nun stilisieren sie sich zum Opfer. So geht PR.

Verpassen Sie nicht ...