
Willkommen in der neuen Klassik-Woche,
heute mit der ersten Late-Night-Show für klassische Musik, mit Debatten um Kohle, einem Ringsprecher für die Klassik und spektakulären Wagner-Aufführungen.
Die erste Late-Night für Klassik

Am Anfang stand die Idee: eine Late-Night-Show für klassische Musik. Jetzt ist sie Wirklichkeit geworden. Während Musik im Fernsehen zunehmend verschwindet, bringen BackstageClassical und NO-TE eine neue Show heraus. Zu Beginn jeder Sendung nehme ich mir die aktuelle Klassik-Welt in einem Stand-up-Monolog vor, anschließend begrüße ich zwei Gäste – zum Musizieren und Reden. In der ersten Ausgabe sind das der junge Dirigent Maximilian Haberstock (mit dem ich wunderbar über Konservatismus und Generationenkonflikte streite) und der Countertenor Alois Mühlbacher (für den Queen ganz selbstverständlich zum Kultur-Kanon gehört). Am Klavier wird all das kommentiert von Pianist Maximilian Gililov. Die Show ist auf YouTube zu sehen oder – natürlich – auf unserer Seite. Ich freue mich, Ihnen heute die Premiere vorstellen zu dürfen und danke allen, die diese Idee möglich gemacht haben – unter anderem Steinway & Sons in Wien. Sie können uns helfen, wenn Sie unsere Show teilen.

Mensch Shani!
Nicht nur klug, sondern auch zutiefst menschlich! Der israelische Dirigent Lahav Shani kritisiert in einem Brief die politische Führung seines Heimatlandes. Er fordert Konsequenzen aus dem Versagen vom 7. Oktober, verurteilt die Gewalt israelischer Siedler und wirbt für Mitgefühl mit den palästinensischen Opfern des Gaza-Krieges. Zugleich wendet er sich gegen Boykotte und Einschüchterungen israelischer Künstler. Ein Brief, der sich zwischen den Fronten positioniert – mitten im Humanismus! Den ganzen Text lesen Sie bei BackstageClassical.
Keine Kohle – nirgends
Es wird immer enger: Nun streicht auch Audi seine Konzerte und Nachwuchsförderung, BWT zieht sich von den Salzburger Festspielen zurück. Gleichzeitig kürzt die öffentliche Hand Kulturhaushalte. Und auch in den USA wird das Geld knapp. Wer soll die Kultur eigentlich noch bezahlen? Wir fassen die einzelnen Kürzungen zusammen und sehen auf einen Blick: Wenn die Politik sich aus der Kultur zurückzieht und dabei auf Sponsoren aus der Wirtschaft verweist, ist das ein gigantisches Problem – zumal Deutschland private Sponsoren nicht auf jene Art »belohnt«, wie es die USA tun. Wir brauchen eine Debatte darüber, ob Kultur uns als Staat noch etwas wert ist.

Unendlich viel Kohle für die Oper
Dabei geht es durchaus: Was für ein Haus! Ein weißer Fächer am Ufer des Huangpu, drei Bühnen mit 4.200 Plätzen und ein Dach, das allen gehört. Shanghai hat eines der spektakulärsten Opernhäuser der Welt eröffnet. Der Neubau ist ein Zeichen für Chinas wachsende kulturelle Ambitionen und eine Machtdemonstration – gerade während die Kultur in Europa in der Krise steckt. Aber: Hat China überhaupt ein so großes Publikum für so viel Musik? Die Tickets müssten eigentlich über 600 Euro kosten, gehen aber – staatlich gefördert – für maximal 155 Euro über den Tisch.
Der Newsletter zum Anschauen
Gold in der Kehle, Blut im Ring
Den wollte ich unbedingt kennenlernen: Tobias Greenhalgh ist nicht nur Opernsänger, sondern auch Ringsprecher bei den durchaus brutalen Mixed-Martial-Arts-Kämpfen. Also dort, wo echtes Blut fließt. Einen Abend singt er in Essen an der Oper, am nächsten steht er im Ring – und stimmt auch da schon mal ein bisschen Puccini an. Im Podcast »Guten Morgen« von BackstageClassical erzählt er von seiner Doppelkarriere, seiner Mission für die Oper und seinem Wechsel vom Bariton zum Heldentenor. Hörenswert!
Weitere spannende Podcasts bei BackstageClassical
- Mit Marie Jacquot über das Dirigieren
- Mit Benjamin Bernheim über den Sänger als Ich-AG
- Mit den Wiener Philharmonikern über Klangideale
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Buhs für Roth – und der SWR schweigt
Die Buhs für François-Xavier Roth bei den Donaueschinger Musiktagen kann man auch als Unzufriedenheit des Publikums mit den Kommunikationswegen der Orchesterleitung interpretieren. Intendanten wie Steven Walter haben erklärt, dass sie nicht mit vorbelasteten Dirigenten zusammenarbeiten wollen, und aus Insiderkreisen heißt es, dass es Künstlerinnen und Künstler geben soll, die dem SWR-Orchester inzwischen bewusst absagen. Auch das Publikum – so heißt es immer wieder – fremdelt mit den Roth-Konzerten. Wir wollten es genau wissen und haben beim SWR nachgefragt: Zum einen, ob es konkrete Absagen aufgrund des Chefdirigenten gab und wie die Verkaufszahlen sind, wenn der Chef dirigiert – beide Fragen blieben unbeantwortet. Stattdessen erklärte der Sender uns, dass Roth »von der überwältigenden Mehrheit des Publikums« begeistert aufgenommen wurde. Merkt ihr noch was, in Stuttgart?
Auf der Bühne

Anna Proft hat für BackstageClassical den »Fliegenden Holländer« in Berlin besucht: Milo Rau will Wagners Oper zu einer Abrechnung mit deutscher Schuld und Erinnerungskultur machen. Doch statt Widersprüche auszuloten, setzt er auf einfache politische Botschaften und plakative Bilder. Auch musikalisch enttäuscht der Abend. Philipp von Studnitz hat sich für uns Wagners »Siegfried« in Rom angeschaut – und ist begeistert von Daniel Harding und Clay Hilley.
Die 5 der Woche

Auch diese Woche stellen wir wieder die fünf wichtigsten Aufnahmen vor. Eine vergessene Oper von Delibes, Georg Breinschmids herrlicher musikalischer Wahnsinn, Chopin mit Pavel Kolesnikov, ganz ohne Kitsch; Bartóks Skandalmusik und das Akkordeon von José Valente auf neuen Wegen: Unsere fünf Empfehlungen der Woche zeigen, wie vielfältig klassische Musik sein kann. Viel Vergnügen beim Hören!
Personalien der Woche
Es gab eine Zeit, in der an der Oper Bonn die ganz großen Namen gesungen haben – nun soll Anna Netrebko die Hütte am Rhein füllen. Guido Krawinkel kommentiert diese Personalie bei BackstageClassical: »Letztendlich sind Namen Schall und Rauch, auch große. Die wahren Helden des Opernalltags sind in den Ensembles zu finden, wo sie tagein, tagaus zumeist ausgezeichnete Leistungen abliefern und viel näher am Publikum sind, als es durchfliegende Jetset-Weltstars je sein können.« +++ Intendant Bernd Loebe und Generalmusikdirektor Thomas Guggeis bleiben der Frankfurter Oper erhalten. Beide Verträge wurden bis zum 31. August 2032 verlängert. Oberbürgermeister Mike Josef (SPD): »Loebe und Guggeis prägen das kulturelle Bild unserer Stadt in außergewöhnlichem Maße. Ich bin gespannt, wohin sie uns in den kommenden Jahren führen werden.« +++ Die Salzburger Nachrichten melden, dass der georgische Sänger Paata Burchuladze, der in Georgien inhaftiert wurde, auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt. Das österreichische Außenministerium sowie die Botschaft in Tiflis betreuen den Sänger intensiv, nehmen als Prozessbeobachter teil und fordern ein faires Verfahren. Ein direkter rechtlicher Einspruch in Georgien durch die Republik Österreich ist jedoch aus völkerrechtlichen Gründen nicht möglich. Mehr hier.

Und wo bleibt das Positive, Herr Brüggemann?
Ja, wo zum Teufel bleibt es nur! Vielleicht stand es dieses Mal ja schon ganz am Anfang des Newsletters. Auch wenn derzeit überall zu beobachten ist, wie die Klassik sich aus unserem Alltag schleicht. BackstageClassical versucht, unsere Kunst in der Diskussion zu halten: durch kontroverse Themen, spannende Kritiken, durch intensive Gespräche und neue, unterhaltsame Formate. Und wir sehen, dass unsere Seite immer weiter wächst, dass es durchaus ein großes Publikum gibt. Allen, die unser Experiment möglich machen, allen, die uns durch ihre Werbung unterstützen oder durch Ihre Spenden: Ein herzliches Dankeschön! Wir spüren es jeden Tag: das Positive!

In diesem Sinne: Halten Sie die Ohren steif!
Ihr
Axel Brüggemann

