Wer ist dieser Bert?

April 23, 2026
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Opera Bert (Foto: Instagram)

Ein Opernfan erobert das Netz: »Opera Bert« begeistert mit Arien zwischen Alltag und Algorithmus – und zeigt, wie nahbar klassische Musik für eine neue Generation sein kann. Ein Podcast und ein Porträt.

English summary: Bert Held, known as “Opera Bert,” brings opera into everyday life on social media. In the BackstageClassical podcast, he shares how he went from Mexico to Düsseldorf—and now connects a new generation to opera with emotion, not elitism.

Der Podcast bei applePodcast oder für alle Player.

Ein junger Mann beim Zähneputzen, im Fitnessstudio – oder er joggt durch Berlin. Dazu schwärmt er von Mozart, Puccini oder Bellini. Bert Heldt, in den sozialen Netzwerken als „Opera Bert“ bekannt, hat binnen kurzer Zeit eine Nische besetzt, an der sich Kulturinstitutionen seit Jahren abarbeiten: Er vermittelt Oper so, dass sie für ein junges, digital sozialisiertes Publikum anschlussfähig wird.

Im Podcast von BackstageClassical erzählt Opera Bert seine Geschichte. Sie beginnt fern der europäischen Opernmetropolen. Heldt wurde in Mexiko-Stadt geboren, als Sohn eines Deutschen und einer Mexikanerin. Oper gehörte zur Kindheit, große Namen wie Rolando Villazón oder Plácido Domingo erlebte er früh im Saal. Doch die Begeisterung stellte sich zunächst nicht ein; der Opernbesuch blieb Pflichtprogramm.

Bert in Germany

Das änderte sich in Deutschland. Für ein Studium zog Heldt nach Düsseldorf – und wohnte ausgerechnet gegenüber der Deutschen Oper am Rhein. »Ich war nur neugierig«, sagt er im Podcast über seinen ersten selbstgewählten Opernbesuch, Mozarts Don Giovanni. Der Zufall wurde zum Ausgangspunkt einer Entwicklung, die rasch an Intensität gewann. Es folgten regelmäßige Besuche: Tosca, La sonnambula – Tag für Tag.

Dabei schien sein beruflicher Weg zunächst in eine ganz andere Richtung zu führen. Heldt studierte Wirtschaftswissenschaften in Frankfurt am Main, arbeitete unter anderem für Accenture und erwog eine Karriere im Investmentbanking. Doch die Finanzwelt blieb ihm fremd. »Finanzen ist nicht meins«, sagt er im Podcast. Stattdessen interessierte ihn zunehmend die Dynamik des Music Business, insbesondere die Innovationskraft der Popindustrie.

Opera Bert (Foto: Instagram)

In Berlin fand er schließlich den Resonanzraum für beides: für seine neu entdeckte Opernleidenschaft und für die Frage, wie sich klassische Musik anders vermitteln ließe. Die günstigen Angebote der Classic Card machten häufige Besuche möglich, die sozialen Netzwerke wurden zur Bühne. Opera Bert entstand ohne strategischen Plan, eher als Reaktion auf eine Leerstelle: Es gebe kaum Formate, so Held bei BackstageClassical, die Oper jenseits von Kritik und pädagogischem Ton vermitteln.

Sein Ansatz ist denkbar einfach und gerade deshalb erfolgreich: persönliche Begeisterung statt analytischer Distanz. »Musik sind Momente, Musik sind Erinnerungen, Musik sind Erfahrungen«, lautet sein Credo. Held verzichtet bewusst auf Verrisse und Einordnungen, er inszeniert Oper als Erlebnis – emotional, unmittelbar, teilbar.

»Partner der Klassik«

Damit trifft er einen Nerv. Mehr als 60.000 Menschen folgen ihm inzwischen allein auf Instagram, Opernhäuser suchen gezielt die Zusammenarbeit. Der Influencer wird zum Vermittler, zum Bindeglied zwischen Institution und Publikum. Im traditionellen Feuilleton wird das nicht immer wohlwollend aufgenommen; die Skepsis gegenüber der Vermischung von Kritik und Promotion ist nicht neu.

Heldt selbst sieht seine Rolle anders. Er verstehe sich als »Partner der Kultur«, sagt er im Podcast, jemand, der Aufmerksamkeit auf die Arbeit der Künstler lenken wolle. Dass dies über kurze Videos aus dem Alltag geschieht, ist Teil der Strategie – und wohl auch der Grund für den Erfolg.

Die Oper, so viel lässt sich daran ablesen, hat ihr Publikum nicht verloren. Sie hat nur neue Wege gefunden, es zu erreichen. Oder, zugespitzt gesagt: Sie hat jemanden gefunden, der sie mit derselben Selbstverständlichkeit erklärt, mit der er sein Leben teilt.

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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