Liebe Ösi-Kurie,

März 19, 2026
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ich finde es turboaffentittengeil, wie Ihr Eure Beine spreizt, Eure Stimme erhebt und andauernd rumpoltert (das ist der Ton, den Ihr versteht, oder?). Euer neuer Aufreger: Die »Wohlverhaltensklausel« bei den Salzburger Festspielen. Die ist Eurer Meinung nach eine Beschneidung der Kunstfreiheit! Sagt mal, hackt es noch bei Euch?

Ihr versteht Euch als Kulturelite Eures Landes, aber was für ein Bild von Kultur habt Ihr eigentlich? Entsteht gute Kunst für Euch wirklich, wenn die Regeln der Moral hinter den Kulissen nicht gelten? Ist es okay, wenn Regisseure ungehaltene Despoten sind, Intendanten schreiende Macker und der Künstler an sich ein genialer Psycho? Glaubt Ihr wirklich, dass es politische Einflussnahme ist, wenn man von unseren Theatern, Festivals und Kunsthallen ein bisschen Anstand im Umgang miteinander erwartet? 

Ach, liebe Kurie, ich verstehe Euren Schmerz! Ihr vermisst Eure alte Welt, in der Ihr noch die Alpha-Macker der Kunst wart. In der Ihr glaubtet, besser zu sein als alle anderen – und euch deshalb schlechter benehmen konntet.

Ich weiß nicht, was ich abstoßender finde: Euren Einsatz für einen Currentzis-Orden (habt Ihr eigentlich gemerkt, dass Euer Vorschlag seither in der Schreibtischschublade Eures Präsidenten vergammelt?) oder Euer neues Statement gegen die Salzburger »Wohlverhaltensklausel«. 

Liebe Ordensträger, passt auf, dass Ihr vor lauter herum-rumpelstielzchen keine Wutbürger-Herzattacke bekommt. Ihr seid ja auch nicht mehr die Jüngsten!

Ach übrigens, dieses mal haben Euer Chef, Peter Noever, sowie Martha Jungwirth, Franz Koglmann, Wolf D. Prix, Carl Pruscha, Gerhard Rühm, Eva Schlegel, Franz Schuh, Kurt Schwertsik, Elfie Semotan (wer sind diese Leute?) unterschrieben. Als ich in der Causa Currentzis bei Eurem Kurien-Mitglied Olga Neuwirth nachgefragt hatte, ließ die mich wissen, an Eurer Ordens-Entscheidung gar nicht teilgenommen zu haben. 

Tut Eure Bedeutungslosigkeit eigentlich schon weh? 

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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