Lieber Peter Gelb,

Januar 27, 2026
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Peter Gelb, der Intendant der Met in New-York (Foto:Metopolian Opera)

nun haben Sie den Kladderadatsch: Die Saudis liefern die versprochenen Millionen nicht, und Sie stehen mit Ihrer Metropolitan Opera vor dem Ausverkauf. Sie wollen das Tafelsilber verscherbeln: Die Chagall-Gemälde und den Namen ihres Hauses. Aber damit stopfen Sie nur Löcher, die früher oder später wieder aufreißen werden. 

Seit Jahren merken Sie: Oper in den USA ist ein mühsames Geschäft. Sie haben erst mit Kinoübertragungen gegengesteuert, dann mit Auftragswerken jenseits von Pling-Plang-Plong. Das war mutig. Aber die Kino-Verkäufe sind eingebrochen, und die neuen Opern waren doch nicht ganz so erfolgreich.

Sie haben auch vom ersten Tag an Position bezogen, was Russland und die Ukraine betrifft. Umso mehr staune ich, wie sehr Sie gegenüber Donald Trump herumeiern. Haben Sie Angst, die letzten Sponsoren zu verärgern? Haben Sie Angst, dass Haltung Ihnen den letzten Rückhalt kostet? 

Ihr Deal mit Saudi-Arabien hat gezeigt, dass selbst auf die Öl-Multis kein Verlass ist. Klar, die Metropolitan Opera ist zu groß geworden, Sie können nicht mehr guten Gewissens für all Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sorgen. Dass Ihr Chefdirigent in der Corona-Zeit Bilder aus dem Urlaubsparadies postete, als das Orchester arbeitslos wurde – das war dumm!  Wofür steht die Metropolitan Opera noch, Peter Gelb? 

Ich bin sicher, dass sie Ihre gesellschaftliche Rolle in den USA von Donald Trump auch darin finden könnte, ein Ort des Anstandes zu sein, ein Ort der klaren Distanzierung von Gewalt und Willkür: Die Oper als Kapelle des Humanismus. Und ich bin mir sicher, Peter Gelb, wenn Sie das so sagen, laut und klar, und das auch so auf Ihrer Bühne zeigen – dann gibt es genügend Menschen, die Ihnen helfen.

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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