Musik-Provinz München?

März 14, 2025
1 min read
Die Geigerin Julia Fischer (Foto:Broede)

Harte Kritik an der Kulturpolitik von Markus Söder von Julia Fischer und Daniel Müller-Schott.

Julia Fischer und Daniel Müller-Schott kritisieren in der Süddeutschen Zeitung die Münchner Kulturpolitik scharf. Sie warnen, die Stadt drohe zu einer Kultur-Provinz zu werden. »München schreibt sich auf die Fahne, wir seien Welt-Kultur-Hauptstadt, aber das haben wir schon verlassen«, sagt Fischer im Interview mit der Zeitung.

Schott und Fischer bemängeln in erster Linie das Fehlen eines Konzerthauses mit internationaler Strahlkraft und verweisen auf das Beispiel Hamburg: Dort sei die Elbphilharmonie ein Ausrufezeichen für die Kultur. Ein ähnliches Gebäude sei, gerade bei der musikalischen Qualität der Münchner Klangkörper, auch in der bayerischen Hauptstadt längst überfällig. Fischer befürchtet, dass einige Dirigenten München bei ihrer Tourneeplanung inzwischen meiden und stattdessen lieber nach Hamburg gingen.

Die Ursache für diese Entwicklung sehen Müller-Schott und Fischer in der fehlenden kulturpolitischen Weitsicht und einer zunehmenden »Verachtung der Politik für Kultur«. Fischer macht explizit Ministerpräsident Markus Söder und Hubert Aiwanger verantwortlich: »Würde Markus Söder einen Konzertsaal bauen wollen, würde München einen Konzertsaal bekommen.«

Die beiden Musiker kritisieren auch die praktischen und technischen Probleme der existierenden Häuser – in letzter Zeit mussten Konzerte in München mehrfach aufgrund technischer Defekte abgesagt werden (z.B. Feueralarme im Herkulessaal und der Isarphilharmonie).

BackstageClassical

BackstageClassical bringt Ihnen Debatten und Nachrichten aus der klassischen Musik. Die Seite ist kostenfrei. Bestellen Sie unseren Newsletter oder unterstützen Sie unseren unabhängigen Musikjournalismus durch Ihre Spende.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Kollaps der musikalischen Ausbildung in Deutschland

Die neue Studie »MiKADO-Musik« warnt vor einer ernsthaften Krise an Musikschulen in Deutschland und Österreich. Fachleute sprechen von einem drohenden »Kollaps« der musikalischen Bildung, wenn Politik und Träger nicht rasch und koordiniert

Liebes Musikhaus Doblinger,

Du bist es ja eigentlich schon lange nicht mehr, das gute alte Wiener Verlagshaus von 1817! Verlag verkauft! Notengeschäft verscherbelt. Und nun droht auch dem Musikhaus im Ersten Bezirk das Aus: Der

Lieber Florian Lutz,

vielleicht erlauben sie mir unter uns zwei Kneipenbrüdern (war schön damals mit Ihnen nach der Carmen), zu versuchen, Ihnen als Außenstehender mal Ihr Haus zu erklären.   Sie sind Intendant in Kassel.

Liebe Elisabeth Leonskaja,

ich muss noch einmal auf Ihren Auftritt in Moskau zurückkommen. Gerade, weil ich Sie als Künstlerin schätze. Sie haben Anfang des Monats in Russland gespielt, Tickets für Ihr Konzert wurden kostenlos an

Zoff ums Kennedy Center

Ein US-Demokrat wirft den Leiter des Kennedy Center, Richard Grenell, Verfehlungen vor – der weist die Anschuldigungen zurück.

Aber er hat ja gar nichts an! 

Nick Pfefferkorn, Leiter des Verlags Breitkopf & Härtel, hat den Zustand der zeitgenössischen Musik kritisiert. Der folgende Aufschrei zeigt die Fragilität eines Betriebs, der Kritik schnell als Majestätsbeleidigung deutet. Thomas Schmidt-Ott hat

Lieber Thilo Mischke,

gestern Abend habe ich zum Einschlafen den Podcast Hotel Matze mit Ihnen als Gast eingeschaltet. Aber anstatt runter zu kommen, bekam ich Puls. Vergessen wir In 80 Frauen um die Welt und

Plácido Bonnwitschny

Heute mit existenziellen Fragen, ob das Dogma die Kunst tötet, mit Bonner Merkwürdigkeiten und der Frage nach der Legitimation von Radioorchestern.   

Verpassen Sie nicht ...