Lieber Andreas Babler, 

Oktober 23, 2025
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Andreas Babler (Foto: BMWKMS)

Sie sind Vizekanzler der Republik Österreich! Und wohl einer der kulturlosesten Kulturpolitiker Ihres Landes. Sie hören U2 und haben von Klassik so viel Ahnung wie ein Schnitzel von Politik. Und nun wollen Sie ausgerechnet Teodor Currentzis in die »Kurie für Kunst« berufen? Nicht Mehta, nicht Muti, nicht Welser-Möst, die allesamt Verdienste für Österreich haben, nein: Sie wollen unbedingt dem Russen die höchste Ehre Ihres Landes an die Brust tackern!

Lieber Genosse Andrej Bablerkowski, Sie wissen schon, dass der Charisma-Dirigent erst nach der Krim-Annexion Russe geworden ist, dass sein Orchester VTB- und Gazpromgelder angenommen hat, dass er schwieg, als Leute aus seinem Ensemble Lieder für Putins Front komponierten, und dass er weiterhin zu Putins brutalem Angriffskrieg auf Krankenhäuser, Schulen und Opernhäuser schweigt? Sie sagen, man »unterstelle« Currentzis lediglich »politische Positionen«. Aber er hat sich freiwillig abhängig von Russland gemacht und dem Spiegel gerade noch erklärt, dass es bei uns in Europa »keine Redefreiheit« gäbe. Ich frage Sie: Entspricht das wirklich Ihrem Selbstverständnis österreichischer Ehre? 

Ihr vollkommenes Unwissen offenbaren Sie, wenn Sie uns schreiben: »Dass Currentzis es vorzieht, zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine zu schweigen, ist bedauerlich, aber kein Kriterium.« Doch, es IST ein Kriterium! Eines der wesentlichen Aufnahmekriterien in die Kurie sogar: »Gefragt ist eine wechselseitige geistige Interaktion durch die Diskussion von aktuellen Problemen (…) ebenso die Förderung von Kunst (…) durch Meinungsäußerungen zu aktuellen und relevanten Anliegen.« Herr Babler, Sie kennen Ihre eigenen Regeln nicht!

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Klar, der Ösi- und der Russen-Doppeladler stecken ihre vier Köpfe traditionell gern zusammen: Österreichs Wirtschaftskammer hat Putin selbst nach der Krim-Annexion stehend beklatscht, Ex-Außenministerin Karin Kneissl hat auf ihrer eigenen Hochzeit vor Putin geknickst, Ableger der Raiffeisen haben gute Geschäfte in Russland gemacht. Oder wollen Sie nur Ihren Kanzler-Vorgängern nacheifern? Wolfgang Schüssel und Christian Kern haben bei russischen Firmen Kohle gescheffelt. Und, ja, auch die Salzburger Festspiele kriechen dem schönen Teo in die Hintertüre und halten ihm den Haupteingang offen – aber die wollten nach der Krim-Annexion ja auch noch einen Sponsoring-Deal mit Gazprom eintüten!

Wie werden Sie Ihre Entscheidung der ukrainischen Botschaft erklären? Wie Volodymyr Selenski, wenn Sie ihm Mal wieder medienwirksam die Hand schütteln? Wie den ukrainischen Soldaten an der Front im Donbas? Ich hoffe, die bisherigen Mitglieder Ihrer »Kurie für Kunst«, Michael Haneke, Olga Neuwirth, Marina Abramovic oder Arvo Pärt schmeißen Ihnen Ihre Auszeichnungen vor die Füße. Sie machen aus der stolzen österreichischen Kunst eine Operette, Herr Babler, und aus ihrem Orden eine Farce! 

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Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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