Liebe Protestler,

Dezember 11, 2025
1 min read
Demonstration der GDBA (Foto: InstagramIGDBA)

all ihr Demonstranten in Stuttgart, bei den Münchner Symphonikern, von Berlin bis ins österreichische Baden – Ihr habt ja Recht: Kultur ist existenziell. Was abgeholzt wird, wächst nicht wieder nach. Und, ja: Orchester und Theater übernehmen Aufgaben, die Schulen schon längst nicht mehr leisten … 

Deutschland spart. Überall. Die Kommunen haben keinen Cent mehr für die  »freiwilligen Ausgaben« übrig – und dazu zählen Kunst, Kultur und der Sport. »Pflicht« wären diese Fächer in den Schulen – aber finden sie immer seltener statt.

Und so schreibt Ihr Petitionen, hängt Plakate  auf, Ihr postet in den sozialen Medien,  seid laut und kreativ, um zu retten, was in Gefahr ist: Die weltweit einmalige, deutsche Kulturlandschaft!

Aber zur Wahrheit gehört auch: Der Rückhalt ist – sein wir ehrlich – bescheiden. Kein Aufschrei der Nation. Keine bürgerliche Massenbewegung. Stattdessen: Zuckt die Gesellschaft mit den Achseln, seufzt und flüstert leise: »So ist es eben«.

Vielleicht muss unser Protest anders aussehen. Wie? Ich weiß es nicht! Vielleicht müssen wir ernsthafter überlegen, ob unsere Strukturen wirklich noch zeitgemäß sind. Ob wir nicht zu blind auch das Überkommene schützen. Ob wir uns nicht mehr bewegen müssen.  Vielleicht müssen wir auch klarer machen, dass unsere Kultur das ist, was Europa in dieser verrückten Welt wirklich ausmacht: Unsere Geschichte des Geistes, der Empathie – des Humanismus. All das bröckelt um uns herum. Wenn wir unsere Kultur wegwerfen, werfen wir unsere Identität weg.

Manchmal ist es zum Verzweifeln!  

Wie sollen wir sparen? Darüber debattiere ich im aktuellen Podcast »Takt & taktlos« auch mit Hannah Schmidt.

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Rettungspläne für Eutin?

Die Eutiner Festspiele fallen nach der Absage der Spielzeit 2026 vorerst aus, doch Politik und Stadt sprechen intensiv über Modelle für einen Neustart in veränderter Form. Im Raum stehen unter anderem neue

Lieber Andris Nelsons,

manchmal sind Kritiker einfach nur schlecht gelaunte Spaßbremsen. Muss man nicht ernst nehmen! Aber dieser David Allen von der New York Times, der hat Sie nun ganz schön durch die Mangel gedreht:

»Die Eutiner Festspiele dürfen nicht sterben«

Die Eutiner Festspiele stehen vor dem Aus. Die Stadtpolitik will die Veranstaltung nicht weiter tragen. Der international tätige Opernregisseur Anthony Pilavachi hat hier den »Freischütz« inszeniert und kann es nicht fassen.

Die Zukunft der Klassik auf TikTok

PODCAST: Wie verändert KI das Marketing von Klassik-Künstlern? Wie organisieren wir die Konsolidierung des Marktes? Und Welche Formate müssen wir für TikTok und Instagram finden? Antworten von Krystian Nowakowski.

Lieber MDR,   

das war‘s also! Schluss. Ende. Aus. Du hast die terrestrische Ausstrahlung Deines Klassik-Senders eingestellt. »Nicht mehr zeitgemäß«, sagst Du. Kann man ja auch streamen.  Dabei bist Du sonst doch gar nicht so

Das Reich der kulturellen Mitte

China profitiert vom Chaos der Welt. Auch kulturell. In Peking gastieren sowohl Valery Gergiev und sein Mariinksy Orchester als auch die Berliner Philharmoniker mit Kirill Petrenko.  

Liebe deutsche Schule,

früher hätte man vielleicht gesagt: »Du bist derzeit von einer curricularen Simplifizierung und inhaltlicher Entkernung geprägt, bei der nachhaltige Erkenntnisprozesse zugunsten kurzfristiger Kompetenzsimulation substituiert werden.« Aber wenn man so wäre wie Du,