ich möchte nicht in Ihrer Haut stecken! Gestern Abend hat der Intendant seine Wiener Staatsoper offensichtlich in einen Schlachtbetrieb für Stimmen verwandelt. Sie wurden in letzter Sekunde für Anna Netrebko auf die Bühne geschubst. Und ausgebuht – nach allen Regeln der Claque.
Während der großen Abigail-Arie, nach der Arie und drumherum auch. Buhs wie Messerstiche.
In der Pause verließen die Leute scharenweise das Haus – wütend wie der Stier in Carmen. Sie, Frau Weissová, behielten dennoch die Ruhe – Chapeau!
Liebe Eliška Weissová, all das war nicht Ihre Schuld! Die Wut galt weniger ihrer kämpfenden Stimme, als der frechen Disposition des Opernhauses: Kein Mucks über Netrebkos Absage – bis zur letzten Sekunde nicht. Vor der Aufführung sollen angeblich noch Tickets für über 500 Euro ihre Besitzer gewechselt haben – an Leute, die unbedingt die Netrebko hören wollten.
Dabei war die schon bei der ersten Aufführung angeschlagen. Warum kümmert man sich in Wien nicht prophylaktisch um eine geeignete Einspringerin? Ist der Herr Direktor neuerdings zu beschäftigt damit, kluge Sprüche in seinen Instagram-Schaukasten zu pinnen, die er gern mit einem kostenlosen Service der Direktion unterschreibt?
Liebe Frau Weissová, Sie tun mir leid. Ebenso wie die stolze Wiener Staatsoper. Es ist ein Trauerspiel, wenn die Oper zum Schlachthaus für Stimmen wird. Ein solcher Service wird dem Intendanten bald seinen Ruf kosten.


