Liebe ARD,

Dezember 12, 2025
1 min read
»Mozart/Mozart«(Foto: WDR/Story House)

im Ernst: ich will Dich doch so gern lieben! Aber Du machst es mir wirklich schwer. Wovor hast Du denn Angst? Vor den Nazis (die schimpfen eh!)? Dass Du zu klug wirkst (keine Angst)? Oder davor, dass Dich keiner einschaltet? 

Du willst »etwas über Mozart« machen. Ehrenwert. Aber es soll nicht so speziell sein. Modern. Und natürlich politisch korrekt: Emanzipiert und multikulturell. Mit Star-Schauspielern und so. Heraus kommt die Serie »Mozart/Mozart« über Mozarts Schwester Nannerl. Fiktiv natürlich, weil Du der echten Geschichte nicht vertraust. Nannerl hat ein Verhältnis mit Salieri, und überhaupt: Fakten sind Dir egal. Es wird genuschelt, gevögelt und »getechnot«. 

Ich erspare Dir einen Verriss, liebe ARD, das hat Johanna Adorján schon für uns alle in der SZ besorgt: Eure Serie »zeigt in nahezu sensationellem Ausmaß total miserables Fernsehen.« Und: »Die ARD bringt das womöglich Schlechteste, was das deutsche Fernsehen jemals hervorgebracht hat.« Autsch!

Aber Du, liebe ARD, Du feierst Dich trotzdem selber, etwa wenn der BR über Deine neue Serie schreibt – nein: jubelt. Boah, das ist, als wenn der SWR über Currentzis schweigt oder Francois-Xavier Roth schönredet! 

Liebe ARD, was ist denn los mit Dir. Vertraue Mozart. Vertraue uns. Vertraue Dir selber! Aber schnell – sonst ist es vielleicht zu spät.

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Von Beethoven bis Blondie: Warhol zum Auflegen

Bevor Andy Warhol Suppendosen und Marilyn Monroe zu Ikonen der Pop-Art machte, gestaltete er Plattencover. Rund vier Jahrzehnte blieb er dem Medium treu – von Klassik und Jazz bis Velvet Underground, Rolling

Hat die Oper Bonn eine Zukunft?

426 Millionen Euro für einen Neubau – oder bald gar keine Oper mehr? Die Finanzkrise in Bonn stellt plötzlich die Zukunft der städtischen Bühnen infrage. Im Stadtrat wird bereits über eine Schließung

Von der Straße in den Klangrausch

Das Lucerne Festival will raus aus dem Konzertsaal – und zugleich die großen Orchester feiern. Der neue Intendant Sebastian Nordmann schickt junge Musiker auf die Straßen, und das KKL bleibt, was es

Liebe Auslastungszahlen,

99 Prozent in München, mehr als 99 Prozent in Salzburg, Besucherrekorde überall: Die Klassik feiert ihre Auslastung. Aber was sagen volle Häuser eigentlich aus – außer, dass Intendanten gern mit Zahlen protzen?

Kosky für Salzburg? Bitte keinen neuen König!

Ab Dienstag beginnen die letzten Hearings: Barrie Kosky gilt als Favorit für die Nachfolge von Markus Hinterhäuser. Aber vielleicht stellt Salzburg die falsche Frage. Es geht nicht darum, wer neuer Intendant wird

»Kein Glück ohne Leiden« 

Am 4. September beginnt Bayreuth Barock. Intendant und Sänger Max Emanuel Cenčić über Händel, Sex, Macht und das Glück des Leidens.

Verpassen Sie nicht ...