Bernstein Erben: »Kennedy Center gehört allen«

Mai 3, 2025
1 min read
Leonard Bernstein und seine Familie (Foto: Gruen, Bernstein-Fonds)

Die Erben des Dirigenten schreiben, dass Leonard Bernstein dafür gewesen wäre, dass seine Musik auch unter Trump am Kennedy Center ertönt.

English summary: Leonard Bernstein’s children wrote in the New York Times that their father would have wanted his music played at the Kennedy Center, even under Trump. He believed in music’s unifying power, especially in difficult times.

Washington (BC) – Die Kinder des Komponisten und Dirigenten Leonard Bernstein haben erklärt, dass ihr Vater seine Musik auch in politisch schwierigen Zeiten am Kennedy Center gespielt wissen wollte. In einem Gastbeitrag für die New York Times schreiben Nina Bernstein Simmons, Alexander Bernstein und Jamie Bernstein, dass Bernstein nach einem Anruf von Jacqueline Kennedy Onassis zunächst als erster Intendant des Kennedy Centers vorgesehen war, sich aber stattdessen entschied, das Werk Mass zur Eröffnung 1971 zu komponieren. Seitdem habe Bernsteins Musik einen besonderen Platz an dem Haus.

Hintergrund der aktuellen Debatte ist, dass nach der Übernahme des Kennedy Centers durch Ex-Präsident Trump und der Besetzung wichtiger Posten mit dessen Vertrauten zahlreiche Künstler ihre Zusammenarbeit mit dem Haus aus Protest beendet haben. Auch die Bernstein-Erben wurden aufgefordert, Bernsteins Werke aus einer Gala am Samstag zurückzuziehen. Sie entschieden sich jedoch dagegen: »Was hätte unser Vater getan? Er hätte seine Musik erklingen lassen«, so die Kinder.

Bernstein habe stets an die verbindende Kraft der Musik geglaubt und sich auch in Zeiten politischer Spannungen für das Musizieren entschieden – etwa während der McCarthy-Ära oder bei Auftritten in Israel und Deutschland. Die Familie betont, dass das Kennedy Center allen Menschen gehöre und Bernsteins Musik ein Zeichen für Freiheit und Zusammenhalt setze. Die Einnahmen aus künftigen Aufführungen wollen sie an die American Civil Liberties Union spenden. »Es sind die Künstler, die die großen Träume artikulieren, verteidigen und singen«, zitieren sie ihren Vater.

BackstageClassical

BackstageClassical bringt Ihnen Debatten und Nachrichten aus der klassischen Musik. Die Seite ist kostenfrei. Bestellen Sie unseren Newsletter oder unterstützen Sie unseren unabhängigen Musikjournalismus durch Ihre Spende.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Ein Angebot, das er nicht ablehnen kann

Showdown: Das Festspielkuratorium der Salzburger Festspiele hat Markus Hinterhäuser ein Szenario offeriert, über das er nun bis zum 20. März nachdenken kann. Ein Kommentar.  

American Nightmares in der Klassik

Kultur-Diskurs zwischen Eskapismus und Widerstand: Hannah Schmidt und Axel Brüggemann debattieren im Podcast Takt & taktlos die aktuellen Themen der Klassik.

Das Reich der kulturellen Mitte

Kanzler Friedrich Merz ist in China. In Peking gastieren sowohl Valery Gergiev und sein Mariinksy Orchester als auch die Berliner Philharmoniker mit Kirill Petrenko. Ein historischer Rückblick auf Europäisch-Chinesische Musik-Beziehungen.  

Liebe Papagenas,

Achtung! Achtung! Da draußen ist ein bunter Vogelfänger unterwegs. Er tarnt sich als Sänger. Früher war er Tenor, heute hat er Federn gelassen – tingelt als Bariton und Clown durch die Gegend.

Einspruch, Herr Wolffsohn

Michael Wolffsohn hat Karajan in seinem neuen Buch vom Nazi-Sympathisantentum weitgehend reingewaschsen. Nun widerspricht ihm der Karajan-Experte und Historiker Oliver Rathkolb. Er sagt: die Faktenlage spricht eine andere Sprache.

Fliegender Teppich ohne Magie

Bluescreen-Effekte prägen Händels »Tamerlano« bei den 48. Internationalen Händel-Festspielen Karlsruhe. Doch der eigentliche Zauber entsteht im Orchestergraben.
Bogdan Roščić Porträt

Lieber Bogdan Roščić,

meinten Sie wirklich den gerngroßen Medien-Mufti Mucha, der über Ihr Opernball-Musical-Programm polterte, als Sie George Bernard Shaw auf Instagram zitierten: »I learned long ago never to wrestle a pig. You get dirty

Liebe Stefanie,

seit der BR sich Dich als »Gesicht« für sein Klassik-Programm vorstellt, bist Du irgendwie anders geworden. Weißt Du noch, wie wir auf dem Flokati gelegen, Tristan gehört und Erdnussflips gegessen haben? Und

Epstein und die Klassik

In den Epstein Files kommen auch zahlreiche Klassik-Künstler vor – oft sollten sie das Image des kulturinteressierten Mäzen pflegen.