Berlins Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson steht wegen ihres Umgangs mit Fördermitteln aus einem Sonderbudget für Projekte gegen Antisemitismus und Rechtsextremismus unter Druck.
Nach internen Berichten und Medienrecherchen wird ihr vorgeworfen, gemeinsam mit dem früheren Kultursenator Joe Chialo entgegen Warnungen der eigenen Verwaltung Mittel aus einem Sondertopf von rund 3,4 Millionen Euro an Projektträger vergeben zu haben, denen die fachliche Expertise zum Thema fehlte und die teils enge CDU‑Verbindungen haben sollen.
Zudem sollen in der Kulturverwaltung in »ungewöhnlicher« Weise Förderentscheidungen politisch beeinflusst und die vorgeschriebene fachliche Prüfung durch massiven Druck auf Mitarbeitende faktisch ausgehebelt worden sein. Beschäftigte der Verwaltung berichteten vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss »Fördergeld« von direkter Einflussnahme, Überwachung und »schockierenden« Methoden; ein von Wedl-Wilson eingesetzter Mitarbeiter habe intern »den Rottweiler gespielt«.
Wedl-Wilson hat Defizite und Fehler im Verfahren zur Vergabe der Mittel eingeräumt, weist aber den Vorwurf bewusst rechtswidrigen Handelns zurück. Das Berliner Abgeordnetenhaus hat einen Untersuchungsausschuss eingesetzt, der seit Ende Januar 2026 klären soll, ob gegen Haushaltsrecht verstoßen und Fördergelder irregulär vergeben wurden; ein politisches oder strafrechtliches Ergebnis liegt bislang nicht vor. Die Senatorin ist weiter im Amt, steht jedoch wegen der neuen Aussagen aus der Kulturverwaltung und eines internen Antikorruptionsberichts innenpolitisch erheblich unter Druck.

