AfD fordert »Stolz-Pass« für deutsche Kultur

Mai 13, 2025
1 min read
Das Goethe-Theater in Bad Lauchstädt (Foto: Goethe-Theater)

Auf Antrag der AfD in Sachsen-Anhalt will die Fraktion deutsche Kultur-Projekte fördern und eine nationale Kultur-Stempelkarte einführen.

English summary: The AfD faction in Saxony-Anhalt proposes promoting „German culture“ with a campaign called „#deutschdenken,“ replacing „#moderndenken.“ The plan includes a „Pride Pass“ for historic sites, a „German Reich Road,“ and funding for selected cultural projects, ignoring Nazi-era atrocities.

Der Antrag mit der Drucksachen-Nummer 8/5478 im Landtag von Sachsen-Anhalt hat es in sich. Er stammt von der AfD-Fraktion und fordert eine neue Kampagne für das Bundesland. Ginge es nach der AfD soll das alte Motto »#moderndenken« gegen das Motto »#deutschdenken« ausgetauscht werden. Im Vordergrund sollten demnach in Zukunft regionale Personen und Institutionen stehen, etwa Otto von Magdeburg als altes »Zentrum des Reiches«, Friedrich Nietzsche als »Geburt einer deutschen Philosophie« oder das Goethe Theater in Bad Lauchstädt, dessen »Festspiele der deutschen Sprache« als Landesfestival aufgewertet und finanziell gefördert werden sollen.

Die AfD fordert zudem allen Ernstes einen »Stolz-Pass«, der »an allen historischen Stätten, die im Zusammenhang mit der Kampagne stehen, erworben werden kann.« Im Antrag heißt es: »Nach Art einer Stempelkarte sind auf ihm alle historischen Stätten im Zusammenhang mit der Kampagne verzeichnet, wobei der Eintritt sich je mehr vergünstigt, je mehr Stätten bereits besucht wurden.«

Außerdem schwebt der AfD-Fraktion eine »Straße des deutschen Reiches« vor, die alle historischen Stätten der Kampagne »nach Vorbild der Straße der Romanik« verbindet.

Der Antrag der Fraktion zeigt deutlich, dass die AfD eine politische Vereinnahmung der Kultur und ihrer Institutionen anstrebt und staatlich geförderte Kultur ein völkisches Kulturbild zwängen will. Die problematische deutsche Geschichte in Sachsen-Anhalt soll indes ausgeblendet werden, etwa Bernburg, wo im Rahmen der NS-»Euthanasie« tausende Menschen getötet wurden, das großen Massaker in Gardelegen, das KZ-Außenlager in Wernigerode oder die Bücherverbrennung in Halle. 

Die AfD fördert mit Schlüsselworten wir »Stolz« und »Deutsch« eine Kultur des Vergessens und nicht der Erinnerung.    

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