Kosky und Bartoli begeistern mit Vivaldi

Juni 8, 2025
1 min read
Die Nymphe Echo (Lea Desandre) und Göttin Juno (Nadezhda Karyazina) im „Hotel Metamorphosis“. (Foto: Rittershaus)

Einhelliger Jubel für Barrie Koskys Vivaldi-Pasticcio »Hotel Metamorphosis« bei den Salzburger Pfingstfestspielen mit Cecilia Bartoli. Eine Feuilleton-Rundschau.

English summary: Unanimous acclaim for Barrie Kosky’s Vivaldi pasticcio Hotel Metamorphosis at the Salzburg Whitsun Festival with Cecilia Bartoli—visually stunning, musically rich, and theatrically captivating.

Ein modernes Pasticcio ist Regisseur Barrie Kosky bei den Salzburger Osterfestspielen gelungen: 500 Musikstücke hat er angeblich gehört, um am Ende eine Auswahl zu treffen, mit der er Ovids Metamorphosen illustriert. Kosky setzt dabei auf fünf unterschiedliche Stoffe, die er als eine Art Best-Of aus Opernarien und Orchesterwerken von Antonio Vivaldi zu einer Bühnenerzählung zusammenbaut. Den großen Bogen schlagen die Schauspielerin Angela Winkler und ein Tanzensemble.

»Alles spielt in einem Hotelzimmer, Bett, Schreibtisch, Esstisch, Sessel, an der Wand hängt in jeder Szene ein anderes Gemälde, keines ist schön, jedes stellt die erzählte Geschichte dar«, erklärt Egbert Tholl in der Süddeutschen Zeitung. »Den Rahmen bilden Orpheus und Eurydice. Orpheus ist die Schauspielerin Angela Winkler, die nie ihre Jungmädchenstimme verlieren wird, auch mit über 80 nicht.«

Maria Scholl schreibt für die APA »Kosky hat als Schauplatz ein schlichtes, anonymes Hotelzimmer gewählt und verlässt sich für den mitreißenden Opernsog vor allem auf Vivaldi.« Bernhard Neuhoff erklärt für BRKlassik: »Passend zu jeder Szene prangt ein großes Barockgemälde mit einer Schlüsselszene über dem Bett, das in den faszinierenden Videoprojektionen Teil der Verwandlungen wird.« Für Neuhoff wird all das »zum Ende hin ein wenig lang«, und auch Tholl schreibt: »Im zweiten Teil verliert Koskys Inszenierung ein bisschen was von ihrer Schwerelosigkeit«. Manuel Brug lobt in der Welt dagegen »das kluge wie wunderschön visualisierte, trotz vier Stunden Aufführungsdauer nie langatmige Barockopernexperiment.« Vollkommen begeistert ist auch Markus Thiel im Merkur: »Wer nun eine bloße Hitparade für Spielstars fürchtet, die szenisch nur notdürftig zusammengefügt ist, liegt falsch.«

Berhard Neuhoff fasst für den BR zusammen: »Cecilia Bartoli verkörpert und singt mit großer Intensität zunächst die trauernde Eurydike … dann kehrt sie als schrille Web-Designerin Arachne zurück.« Thiel schwärmt über »die Perfektion in den Verzierungen, über ihren zur Entrückung fähigen Ausdruck.« Brug stimmt ein: «Bartoli als Eurydike/Arachne: ein Ereignis. Philippe Jaroussky als Pygmalion: berührend und stimmlich makellos.«

Ungeteilter Jubel auch für das Orchester, die Instrumentalgruppe Les Musiciens du Prince – Monaco unter der Leitung von Gianluca Capuano. »Leidenschaftlich, gehaltvoll, mitreißend«, schreibt Thiel, »Das Orchester ist nie bloße Begleitung, sondern Mitgestalter«, findet Brug, und Scholl fasst zusammen: »Vier Stunden, viele Verwandlungen, ein Musiktheaterglücksfall.«

★★

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