AfD-Cellist von der Partei degradiert

November 13, 2024
1 min read
Russisches Plakat mit Matthias Moosdorf (Foto: Screenshot)

Matthias Moosdorf wurde von der AfD als außenpolitischer Sprecher der Fraktion abgesetzt – Grund ist seine Russlandnähe, über die auch BackstageClassical berichtet hatte.

Das war selbst der AfD zu viel: Der Cellist und Bundestagsabgeordnete Matthias Moosdorf ist nicht mehr außenpolitischer Sprecher seiner Fraktion. Der Fraktionsarbeitskreis Außen zog nach einem Bericht von T-Online die Konsequenzen aus der zu großen Nähe Moosdorfs zu Moskau. Über seine Verbindungen mit Russland und zum russischen Kulturmanager Hans Joachim Frey hatte bereits BackstageClassical mehrfach berichtet.

Nun hat die AfD-Bundestagsfraktion Moosdorf als Leiter des Arbeitskreises Außen und damit als außenpolitischen Sprecher abgesetzt. Der Arbeitskreis entschied mit sechs zu drei Stimmen bei einer Enthaltung für seine Abwahl; nun muss die Gesamtfraktion dies noch mit Zweidrittelmehrheit bestätigen. Die Entscheidung gilt als wahrscheinlich, da auch die Fraktionsspitze um Alice Weidel und Tino Chrupalla Moosdorfs Absetzung unterstützt.

Moosdorf, seit 2021 im Bundestag und zuvor Berufsmusiker, erhielt im September eine Honorarprofessur an der kremlnahen Moskauer Gnessin-Musikhochschule. Diese Verbindung sorgte für Kritik in der Fraktion, besonders da Moosdorf auch gegen den Willen der Fraktionsleitung nach Russland gereist sein soll. Sein Nachfolger im Arbeitskreis Außen wird der Abgeordnete Stefan Keuter, der ebenfalls als Russland-freundlich gilt.

Ein Antrag auf Moosdorfs Abwahl wurde bereits im September gestellt. Gründe für die Absetzung waren laut Dokumenten eine mangelnde Abstimmung innerhalb der Fraktion, eigenmächtige Handlungen und vermeintliche »Unwahrheiten«. Moosdorf selbst verteidigte seine Professur als Zeichen der Verständigung und betonte, Musik kenne »keine ideologischen Grenzen«. Die Gnessin-Akademie gilt jedoch als kremlnah und wurde nach Kriegsbeginn in der Ukraine in den Medien wegen Propaganda-Vorwürfen kritisiert.

BackstageClassical

BackstageClassical bringt Ihnen Debatten und Nachrichten aus der klassischen Musik. Die Seite ist kostenfrei. Bestellen Sie unseren Newsletter oder unterstützen Sie unseren unabhängigen Musikjournalismus durch Ihre Spende.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Der große Naxos-Poker

Bei Naxos gibt es Streit zwischen den Eigentümern. Gründer Klaus Heymann hat einst die Mehrheit verkauft und später auch die operative Kontrolle verloren. Nun fordert er Darlehen zurück – und betreibt ausgerechnet

Liebe Caruso-Leute,

Caruso war ein genialer Werbeträger. Und ist es offenbar noch heute. Zwei große Feuilletons lutschen begeistert am neuen Caruso-Bonbon – und liefern dem Hersteller nebenbei die schönste Werbung.

Das Geschäft mit der Hoffnung junger Stimmen

1.099 Euro für Kontakte zur Opernwelt: Das Vienna Opera Lab verkauft jungen Sängerinnen und Sängern den Zugang zu einem begehrten Netzwerk. Nach Anfragen von BackstageClassical ziehen nun erste prominente Teilnehmer Konsequenzen –

Im Weltall wird es eng

Karlheinz Stockhausens Mittwoch aus Licht gerät an der Deutschen Oper Berlin zu einer kosmischen Messe. Musikalisch präzise und von hoher Qualität, verliert sich Susanne Kennedys Inszenierung zwischen klugen Impulsen, Überladung und Inhaltslosigkeit.

Marathonlaufen und Konzert spielen

Laufen und musizieren: Die Wiener Symphoniker und der Vienna City Marathon veranstalten 2027 erneut ihr »Konzert zum Marathon«. Läuferinnen und Läufer können sich ab sofort um einen Platz im Orchester bewerben.

Aus dem Archiv ins Leben

Vergessen, verschollen, nie aufgeführt: Die Ruhrtriennale holt mit Charles Tournemire und Roman Padlewski zwei fast ausgelöschte Komponisten zurück ins Licht – und macht daraus einen der musikalisch stärksten Abende des Festivals.