Lieber Christian Kircher, 

Februar 18, 2026
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Christian Kircher (Foto: Bundestheater)

zum 1. April verlassen Sie eines der schönsten und größten Büros der Wiener Kulturlandschaft und geben das Amt des Geschäftsführers der Österreichischen Bundestheater-Holding ab. Einige Male haben Sie mich freundlich »vorgeladen«, um mir bei Kaffee und Croissant Ihre Sicht der Dinge aufzutischen.

Sie sind ein Guter. Ein Fels in der Schlangengrube von Eitelkeiten. Einer, der nichts zu verlieren hat, weil Sie mit beiden Beinen in der Steiermark stehen und sich am liebsten bei Ihren Fischteichen vom Haifischbecken der Kulturpolitik ausruhen.

Wenn Ihre Intendanten poltern und schimpfen und die Emotionen zu tanzen beginnen, werden Sie besonders gelassen. Ihr Name ist Anstand, und Ihre Mission ist der Beweis, dass Kultur auch mit Zwischenmenschlichkeit funktioniert.

Vor allen Dingen aber sind Sie ein verantwortungsvoller Geschäftsmann. Während Österreich noch immer glaubt, im Theaterparadies zu leben, warnen Sie: Die Besucher kommen zwar, und die Einnahmen sind gut. Aber Ihre Theater müssen trotzdem die wertvollen Reserven fressen, um zu überleben. 2027 werden die Rücklagen aufgebraucht sein, haben Sie gestern bei Ihrer letzten Pressekonferenz erklärt. Und dann?

»Nach mir die Sintflut« könnten Sie sagen, mahnen aber, man müsse nun den Denkraum öffnen. Mehr Schließtage, weniger Premieren? Sicher ist: Der kulturpolitische Auftrag Ihrer Häuser ist bei der derzeitigen Basisabgeltung nicht mehr lange möglich.

Lieber Herr Kircher, man hört zwischen den Zeilen, dass Sie einfach keinen Bock mehr auf durchgeknallte Kultur-Egoisten haben. Nun nehmen Sie Ihren Hut – nach 10 tollen Jahren. Mit Ihnen geht, was unsere Theater gerade heute besonders brauchen: eine gute Seele. Aber wir können uns ja auch mal in einem kleineren Büro treffen. 

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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