Sie sind 65 Jahre alt, verdienen 392.530 Euro im Jahr und leiten den SWR. Irgendwann werden Sie in die verdienten Ruhestand gehen und es sich gut gehen lassen. Das ist vollkommen okay, wenn Sie Ihren Landen bis dahin gut bestellen.
Derzeit sieht es anders aus. Während wir den öffentlich-rechtlichen Rundfunk so dringend brauchen wie nie, sägen Sie an seinen Grundwerten! Einer ist der Kulturauftrag. Nun soll es der Deutschen Radio Philharmonie an den Kragen gehen. Sie wollen das Orchester irgendwie behalten, es aber schrumpfen – und am liebsten sollen andere es bezahlen.
Lieber Gniffke, Klassik scheint Ihre Sache nicht zu sein. Erst war da der Taktstock-Charismatiker Teodor Currentzis, der deine Orchesterfusion kaschieren sollte. Dass sein Russland-Ensemble gleichzeitig VTB- und Gazprom-Gelder kassierte, er sich nicht gegen Putins Mörder-Bombardements stellte und schwieg, als deutsche Journalisten von seinen Musikern als Faschisten beschimpft wurden, schien Ihnen egal. Der SWR hat sich hinter Currentzis gestellt statt hinter transparenten Journalismus.
Auch jetzt stellen Sie sich wieder hinter Ihren neuen Chefdirigenten François-Xavier Roth, der anderenorts unaufgefordert Pimmelbilder verschickt haben soll. Sie vertrauen Ihrer Orchesterdirektorin und Ihrer Programmchefin mehr als dem Bauch Ihres Orchesters. Das Publikum buht Deinen Neuen aus und Sie zucken mit den Achseln. War was?
»Ist ja nur Klassik?« – Nein, lieber Gniffke: Wie so oft in der Musik geht es hier um den Spiegel des Selbstverständnisses. Currentzis, Roth und nun die Radio Philharmonie: Ihr Umgang mit Musik zeigt Ihre Haltung zum Kulturauftrag und zu transparentem Journalismus. Ihr Rumgeeiere macht Sie angreifbar für Feinde des so wichtigen öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Sie stellen aufs Spiel, was Sie eigentlich retten müssten!
Irgendwann werden Sie in Rente gehen, und ich hoffe, dass Sie den öffentlich-rechtlichen Medienbetrieb bis dahin dann nicht vollkommen an seine Feinde verloren haben.


