Thielemann bereit zu Gehalts-Verzicht

Oktober 17, 2024
1 min read
Christian Thielemann mit Intendantin Elisabeth Sobotka an der Staatsoper Berlin (Foto: Staatsoper, Adamik)

Der Chefdirigent der Staatskapelle Berlin, Christian Thielemann, appelliert in einem Interview an alle, den Gürtel enger zu schnallen. Er selber will sich da nicht ausnehmen.

Christian Thielemann, Chefdirigent der Staatskapelle in Berlin, ist bereit, in Zeiten klammer Kassen auf einen Teil seines Gehaltes zu verzichten. Der Süddeutschen Zeitung sagte er: »Ich glaube, in einer ernsten Situation ist jeder von uns bereit, Verantwortung zu übernehmen und mit seinen Möglichkeiten zu helfen. Dagegen wird man sich nicht sträuben.«

Berlins Kulturszene befürchtet derzeit Einsparungen an allen Häusern von 10 Prozent und hat gestern dagegen protestiert. »Wenn die Stadt in einer Notlage ist, kann man ja nicht sagen, das geht mich überhaupt nichts an«, sagt Thielemann nun und erklärt gleichzeitig, dass auch andere auf Gelder verzichten müssten: »Ein persönlicher Gagen-Verzicht wäre ohnehin nur eine symbolische Geste. Ich weiß nicht, ob das gegenüber der Politik irgendetwas bringen würde, und wenn, dann sicher nur, wenn auch andere mittun, die an der Spitze der anderen großen Bühnen und Orchester stehen.«

Derzeit werden Gagen von Sängerinnen und Sängern, aber auch von Dirigentinnen und Dirigenten an den meisten Häusern »gedeckelt«, also nach oben hin begrenzt – man spricht von Höchstgagen unter 15.000 Euro pro Abend. Spitzengehälter von Dirigenten wie Kirill Petrenko oder Christian Thielemann werden auf etwas mehr als eine Millionen Euro pro Jahr geschätzt – inklusive ihrer Abendgagen. Die genauen Einkommen sind jedoch nicht öffentlich.

BackstageClassical

BackstageClassical bringt Ihnen Debatten und Nachrichten aus der klassischen Musik. Die Seite ist kostenfrei. Bestellen Sie unseren Newsletter oder unterstützen Sie unseren unabhängigen Musikjournalismus durch Ihre Spende.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Donald, Yannick, Lorenzo und Bert

Heute geht es im Newsletter um einen Ausblick auf das, was im neuen Jahr wichtig wird, ein Plädoyer für mehr Tiefe und um neue Klassik-Protagonisten.

Venezuela, Grönland, Kennedy-Center

Donald Trump entführt den Präsidenten von Venezuela und überlegt, Grönland zu annektieren. Das Kennedy Center in Washington hat er schon lange in seine Propagandamaschine integriert. Die kleine Geschichte einer großen Übernahme. 

Wie Konrad und Louis sich zum Bert machen

Konrad und Louis sollen die ARD-Klassik aufmischten und sorgen für Fremdscham. Dabei macht Opera Bert vor, dass Klassik so bedeutsam sein kann wie das Lackieren von Fingernägeln.

Er machte die Metropolitan Opera stark

Der Werber Bruce Crawford, einst Chef der Metropolitan Opera und später Vorsitzender des Lincoln Center, prägte New Yorks Opern- und Musikwelt über Jahrzehnte. Er starb mit 96 Jahren in Manhattan.

»Klassik war nie populär«

Einst wollte Pierre Boulez Opernhäuser in die Luft sprengen. Aber der Klassik-Provokateur wurde besonnener, in diesem historischen Interview dachte er sogar darüber nach, eine Oper zu schreiben. Außerdem erklärt er seine Bayreuth-Tempi.

Wider den Klassik-Zirkus 

Viele Klassik-Veranstalter wollen die Erwartungen des Publikums bedienen und verkaufen die Musik an das Event. Aber gerade in dieser Zeit brauchen wir Wissen, Abgründe und Gegenrede — so dringend wie nie.  Wir

Verpassen Sie nicht ...