Karin Bergmann soll neue Intendantin der Salzburger Festspiele werden. Axel Brüggemann schreibt ihr einen Brief und erklärt, warum das eine geniale Wahl ist.
Willkommen als erste Intendantin der Salzburger Festspiele! Ihre Ernennung ist auf so vielen Ebenen so unglaublich gut, dass man die Dinge erst einmal sortieren muss, um sie zu verstehen. Zunächst einmal zeigt Ihre Berufung: Es geht Ihnen offensichtlich um die Kunst und nicht um den Klüngel!
Noch vor wenigen Monaten haben Sie vertraulich mit Markus Hinterhäuser über die Zukunft der Festspiele geredet – und waren wahrscheinlich nicht abgeneigt, die Aufgabe als Schauspielchefin an seiner Seite zu übernehmen.
Inzwischen wurde Hinterhäuser von der Politik abgesägt: Nicht, weil er Sie favorisierte (dagegen gab es keinerlei Einwände!), sondern weil er angeblich Absprachen mit dem Kuratorium missachtet und sich auch gegenüber Dritten nicht intendantenwürdig verhalten haben soll. Es ist wichtig festzuhalten: Markus Hinterhäuser stürzte nicht über Sie, Frau Bergmann, sondern über sich selbt.
Es geht nicht um die Einmischung in die Kunst
Klar, Sie hätten die Intendanz aus Loyalität zum alten Intendanten ablehnen können. Warum sollten Sie noch einmal das Chaos eines österreichischen Mega-Kulturbetriebes sortieren, das einer der Kultur-Alpha-Kerle hinterlassen hat? Das haben Sie schließlich schon getan, als Sie den Burgtheater-Dampfer von Matthias Hartmann übernommen und wieder fahrtüchtig gemacht haben.
Sie haben Landeshauptfrau Karoline Edtstadler zugesagt, obwohl Sie es gar nicht nötig hatten. Und hier liegt die zweite Ebene dieser literaturreifen Geschichte: Alle, die der Landeshauptfrau (und »der Politik« im Allgemeinen) vorgeworfen haben, Markus Hinterhäuser entlassen zu haben, weil der zu »unbequem« gewesen sei und sich damit »in die Kunst eingemischt« hätten, werden nun eines Besseren belehrt.
Im Salzburger Machtkampf ging es eben nie um Eingriffe in die Kunstfreiheit. Es ging stets um die Frage der Führung. Und ja: um Benehmen! Die letzten Monate haben gezeigt, dass ungebremste und zerstörerische Emotionalität zum Glück gegen ein mutiges und kreatives Schachspiel verliert. Testosteron ist langfristig eben kein Sieger-Hormon!
Testosteron ist kein Sieger-Hormon
Es ist bezeichnend, dass nun ausgerechnet zwei Frauen klüger und verantwortungsvoller gehandelt haben als Markus Hinterhäuser. Als jener Intendant, über den eine anonyme Festspiel-Mitarbeiterin im Spiegel sagte, er sei »narzisstisch« und gebe den Druck an seine Mitarbeiter gern weiter – dabei träfe es »immer zuerst die Frauen.«
Dass Sie, liebe Karin Bergmann, die Dinge nun wieder etwas besonnener ordnen werden, stimmt hoffnungsvoll. Sie sind eine Versöhnerin. Innerhalb des Festspielhauses ist der Ton längst auf Kooperation gewechselt und auf die gemeinsame Überwindung der Ära Hinterhäuser durch die Arbeit an der Kunst (sowohl an der Kunst, die er geplant hat, als auch jener, die neu gedacht wird).
Diese Art des Miteinanders ist nach der Intendanz von Markus Hinterhäuser, der sein Umfeld allzu gern in Freunde und Feinde getrennt hat, eine der wichtigsten Qualitäten, die Salzburg jetzt braucht.
Die Welt von gestern
Dass die alte Clique um Regisseur Romeo Castellucci und Peter Handke sich noch einmal zu Wort meldet und vielleicht zum letzten Mal sein fast schon ritualisiertes »Schacka-Schacka« ruft, wirkt inzwischen nicht mehr bedrohlich, sondern fast schon nostalgisch. Es ist das Echo einer Welt von gestern, das sich im Raum verbrüllt. Wie sagte es Stefan Zweig: »Was einmal war, ist unwiederbringlich verloren.«
Sie, Frau Bergmann, sind eine Expertin darin, die Vergangenheit geordnet zu begraben und eine neue Zukunft beginnen zu lassen. Dabei wünsche ich Ihnen ein glückliches Händchen.


