Merle Fahrholz geriet durch ihren Führungsstil am Theater Essen in die Kritik, inzwischen wurde ihr Peter Theiler an die Seite gestellt. Trotzdem soll sie nun den Dramaturgie-Nachwuchs an der Folkwang Hochschule unterrichten.
English summary: Merle Fahrholz, criticized for her leadership at Theater Essen, will teach dramaturgy at Folkwang University in 2026. Despite past accusations of intimidation and abuse, no legal violations were found. Her appointment raises concern among students, while the university declined to address the controversy.
Verschiedene Studierende haben die Redaktion von BackstageClassical darauf aufmerksam gemacht, dass sich im Vorlesungsverzeichnis der Folkwang Hochschule für Musik in Essen im kommenden Semester auch der umstrittene Namen der Intendantin des Aalto Musiktheaters, Merle Fahrholz, findet. Sie soll im Sommersemester 2026 im Rahmen eines Lehrauftrags das Blockseminar »Dramaturgie Musiktheater mit Fokus auf die Uraufführung Die verzauberte Stadt (Samuel Penderbayne)« leiten.
Was die Studierenden befremdet: Fahrholz war in der Vergangenheit wegen ihres Führungsstils an der Oper massiv in die Kritik geraten. Ensemble-Mitglieder warfen ihr und Generalmusikdirektor Andrea Sanguineti Mobbing, Einschüchterung und Machtmissbrauch vor und sprachen von einer »Atmosphäre der Angst«. Die Auslastungszahlen des Hauses fielen in der Spielzeit 2024/25 auf 63 Prozent.
Die Trägergesellschaft TUP heißt die Vorwürfe intern sowie durch externe Juristen prüfen. Nach Angaben des Aufsichtsrats konnten arbeitsrechtlich relevante Verfehlungen nicht nachgewiesen werden, die Beschwerden würden aber ernst genommen und in einem formalisierten Verfahren mit den zuständigen Gremien weiter behandelt. Die Debatten am Hause gingen ebenfalls weiter: Kritiker im Ensemble sahen das Vertrauensverhältnis dauerhaft beschädigt, während die Stadtspitze und der Aufsichtsrat auf Verbesserungen der internen Kommunikation und der Arbeitsbedingungen gedrängt haben.
Am Ende stand eine merkwürdige Konstellation; Fahrholz hatte angekündigt, Essen mit Ablauf ihres Vertrages im Sommer 2027 zu verlassen. Aber nun wurde gleichzeitig der Ex-Intendant der Semperoper in Dresden, Peter Theiler, bestellt, um die Scherben zusammenzukehren. Obwohl Fahrholz noch am Theater ist, soll er in beratender Funktion eine »Brücke in die Zukunft bauen«. Der erfahrene Opernmann werde auch bei der Suche nach einer dauerhaften Intendanz nach seiner Übergangsspielzeit 2027/28 helfen, heißt es von Seiten der Stadt.
Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Hochschule einer Stadt die Intendantin des Theaters als Lehrkraft einstellt. Aber offensichtlich spielten die Querelen rund um Fahrholz’ Führungsstil bei der Bestellung keine Rolle. Auf BackstageClasscial-Anfrage, wie sich die Folkwang Hochschule dazu positioniere, dass ausgerechnet Fahrholz mit ihrer Vergangenheit junge Studierende in Sachen Dramaturgie unterrichten solle, und ob im Vorfeld der Bestellung mit ihr über die Kritik an ihrem Führungsstil gesprochen wurde, antwortete die Hochschule nicht. Sie ließ lediglich wissen: »Lehraufträge werden an Folkwang aufgrund der fachlich-inhaltlichen Auswahl des zuständigen Fachbereichs vergeben.«
Die Antwort verwundert, gerade in einer Zeit, in der Machtmissbrauch und Fehlverhalten von Lehrkräften in Musikhochschulen große Themen sind, die an vielen Institutionen mit besonderer Sensibilität behandelt werden. Das scheint in Essen derzeit eher nicht der Fall zu sein.

