»Es wird allerhand los sein« 

Juli 8, 2025
3 mins read
Katharina Wagner, Intendantin der Bayreuther Festspiele. (Foto: Armer)

Katharina Wagner erklärt im BackstageClassical-Gespräch, dass Bayreuth um seine Finanzen kämpfen müsse und erwidert auf die Kritik von Jonas Kaufmann, dass die Festspiele auch in Zukunft künstlerfreundlich bleiben.

English summary: The Bayreuth Festival opens on July 25 with a new production of Die Meistersinger von Nürnberg. In the BackstageClassical podcast, director Katharina Wagner discusses budget cuts, fair artist treatment, and a lighter, humorous staging. A smaller core choir and open-air concerts round out the program.

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Die Bayreuther Festspiele eröffnen am 25. Juli, Intendantin Katharina Wagner spricht im aktuellen Podcast von BackstageClassical über die Neuproduktion der Meistersinger von Nürnberg, über Sparmaßnahmen und den Umgang mit Künstlerinnen und Künstlern während der Probezeit.

Tarifsteigerungen ausgleichen

Katharina Wagner betont, dass die Festspiele aufgrund der gesamtwirtschaftlichen Lage zu strukturellen Änderungen gezwungen seien. Das Geld sei endlich, erklärt Wagner, und im Moment müssten die Festspiele die vereinbarten Tarifsteigerungen aus eigener Tasche bezahlen, was faktisch einer Kürzung des Etats gleichkomme. »Wir können aber meiner Meinung nach aus künstlerischer Sicht nur bis zu dem Punkt sparen, wo es künstlerisch keine Beeinträchtigung gibt«, so Wagner. Sie fordert daher, dass die Tarifsteigerungen zukünftig von den Gesellschaftern mitgetragen würden, da sonst die künstlerische Qualität leiden würde. Alle Gesellschafter der Festspiele seien sich der Notwendigkeit weiterer Verhandlungen bewusst, und Wagner zeigte sich optimistisch, gemeinsame zukünftige Lösungen zu finden.

Künstlerfreundliches Arbeiten

Katharina Wagner verteidigt bei BackstageClassical den Werkstattcharakter der Festspiele. Erst kürzlich hatte der Tenor Jonas Kaufmann in einem Interview kritisiert, dass der Werkstattcharakter viele Künstler abhalten würde, in Bayreuth aufzutreten. Die lange Präsenz vor Ort habe »viele Leute, die international im Geschäft sind, abgeschreckt«, sagte Kaufmann, »zumal sich die Gagen nicht mit Wien und anderen Spitzenhäusern vergleichen können.«

Katharina Wagner wies derartige Bedenken zurück. »Wir sind ja nicht mehr mit der Pferdekutsche unterwegs«, sagt sie, Bayreuth verfüge sogar über einen kleinen Flugplatz, was das Reisen erleichtere. Die Festspielleitung sei sich bewusst, dass Sänger auch anderweitig Geld verdienen und sich künstlerisch präsentieren wollen und müssen. Deshalb versuche man, dies zu ermöglichen, solange der »Werkstattgedanke« seriös verfolgt werden könne. Im Gegensatz zu ihrem Vater erwarte sie nicht, dass Künstler sechs Wochen exklusiv zur Verfügung stünden, sondern versuche, ihnen die Möglichkeit zu geben, sich anderweitig zu präsentieren.

Meistersinger mit Bewegung

Die Eröffnung der diesjährigen Festspiele am 25. Juli ist die Neuproduktion von Richard Wagners Die Meistersinger von Nürnberg. Regie führt Michael Davids, ein Musical-Regisseur, was von Intendantin Wagner als bewusste Entscheidung für eine neue Perspektive erklärt wird. Nach zwei sehr politischen Deutungen des Stückes (von ihr selber und von Barrie Kosky) habe sie diesmal eine Leichtigkeit und ein Augenzwinkern in das Stück bringen wollen, mit dem Schwerpunkt auf der komischen Oper, die Wagner intendiert hatte. 

Matthias Davids sei bekannt dafür, viele Menschen geschickt auf der Bühne bewegen zu können, was besonders für die Meistersinger erforderlich sei. Die Inszenierung sei sehr choreografiert, und es werde »viel los sein« auf der Bühne – auch mit Chor und Statisten, etwa in der berühmten »Prügelszene«. Michael Spyres gibt sein Debüt als Stolzing. Die Aufführung kann sowohl live in Bayreuth als auch in Kinos verfolgt werden. 

Rahmenprogramm in Bayreuth

Zudem finden in Bayreuth auch in diesem Jahr wieder zwei Open-Air-Konzerte statt, die sich großer Beliebtheit erfreuen und das Festspielhaus nach außen öffnen. Die Kinderoper bringt dieses Jahr Tannhäuser auf die Bühne und ist bereits ausgebucht. Für das 150-jährige Jubiläum im nächsten Jahr kündigte Wagner mit Rienzi ein Stück an, das es so bei den Bayreuther Festspielen noch nie gab.

Politische Reaktionen

Nach Erscheinen des Podcasts bezeichnete Bayerns Kulturminister Markus Blume Wagners Anliegen gegenüber der dpa als »absolut berechtigt«. Für den Freistaat könne er sagen: »Wir sind selbstverständlich bereit, die Tarifsteigerungen mitzutragen.« Unabhängig davon sei er mit dem Kulturstaatsminister des Bundes, Wolfram Weimer, »in guten Gesprächen« zu den Festspielen.

BackstageClassical und Geldermann verlosen am kommenden Montag im BackstageClassical Newsletter zwei Tickets für die Bayreuther Festspiele. Hier Newsletter abonnieren.

Transparenzhiweis: Axel Brüggemann moderiert das Kinoprogramm und das Bayreuther Open Air.

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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