
Willkommen in der neuen Klassik-Woche,
und willkommen in 2026! Auch dieses Jahr begleiten wir Sie auf unserer Seite BackstageClassical wieder täglich mit aktuellen Meldungen aus der Welt der Musik – und montags gibt‘s das Wichtigste zusammengefasst im Newsletter! Heute geht es los mit einem Ausblick auf das, was im neuen Jahr wichtig wird, mit einem Plädoyer nach mehr Tiefe, mit neuen Klassik-Protagonisten in neuen Medien und mit einem Haufen Weltpolitik in der Kunst!
Nicht lustig!

Louis, Opera Bert und Konrad (Fotos: Instagram)
Entweder stehe ich total auf der Leitung und gehöre einfach nicht mehr zur (jungen) Zielgruppe – oder die allgemeine Verblödung da draußen gerät wirklich außer Kontrolle. Die ARD betreibt einen Instagram-Kanal und hat dafür zwei neue Klassik-»Helden« gecastet: Louis und Konrad. Beide wollen uns erzählen, dass Musik garantiert nicht weh tut und kommen dabei so cringe rüber, als wären sie von einer 62jährigen Redakteurin des MDR erfunden. Klar, die beiden würden wahrscheinlich gern den Opera.Bert imitieren – aber wie soll das gehen, wenn ihr Champagner lediglich stilles Wasser und ihr Pop nur peinlich ist? Ich habe mich mit dem Phänomen auseinandergesetzt. Vielleicht stehe ich ja wirklich nur auf der Leitung? Lesen Sie selbst!
Mehr Tiefe wagen!
Ein neues Jahr bringt traditionell neue Vorsätze mit sich. Aber welche Vorsätze können das für die Welt der klassischen Musik im Jahre 2026 sein? Ich habe mir darüber in einem ausführlichen Essay Gedanken gemacht. Offensichtlich herrscht große Verunsicherung, und viele Klassik-Veranstalter meinen, dass sie die Erwartungen des Publikums bedienen müssten. Dann verkaufen sie die Musik an das Event. Egal, ob bei privaten Konzertveranstaltern in München oder beim Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker mit Yannick Nézet-Séguin. Aber ist nicht genau das die falsche Strategie? Brauchen wir nicht gerade in diesen verrückten Zeiten mehr Wissen, mehr Abgründe und mehr Gegenrede? Ich bin der festen Überzeugung, dass wir 2026 mehr Tiefe wagen sollten!

Umfrage der Woche
Das neue Jahr bringt bei BackstageClassical auch eine neue Rubrik mit sich. Morgen wird es bei uns weiter gehen mit den täglichen »Briefen von Brüggi…«. Aber neben unseren Podcasts und täglichen News gibt es jetzt auch eine wöchentliche, natürlich nicht repräsentative Umfrage. Einmal die Woche stellen wir auf unserem Instagram-Profil eine Frage, über die Sie abstimmen können. Dieses Mal ging es darum, wer das bessere Orchester ist: Die Wiener Philharmoniker oder die Berliner Philharmoniker? Die Antwort fiel – wie Sie sehen – ziemlich eindeutig aus. Aber vielleicht war die Frage auch falsch gestellt? Dirigentin Marie Jacquot antwortete uns per PN: »Cleveland und natürlich der WDR :-)« – andere bevorzugen das Royal Concertgebouw Orchestra aus Amsterdam.

Das Dirigenten-Karussell
Zwei Dirigenten-Personalien bestimmen das neue Jahr! Angeblich soll Zürichs Opern-Intendant Matthias Schulz sein Orchester vor die Wahl gestellt haben: »Entweder Joana Mallwitz oder Lorenzo Viotti« – nun hat man sich für den Schweizer Dirigenten entschieden (so viel zum Thema: »Mehr Tiefe wagen!«). Auch in Paris sind die Würfel gefallen. Lange galt Pablo Heras-Casado als sicherer Nachfolger von Gustavo Dudamel. Hat der Spanier beim Pariser Ring etwa zu viel vom Orchester verlangt? Auf jeden Fall hat sich die Oper von Alexander Neef nun für einen anderen Nachfolger entschieden: Semyon Bychkov wird 76 Jahre alt sein, wenn er von 2028 an neuer Musikchef an der Seine wird.
Venezuela, Grönland und das Kennedy Center
Das Jahr 2026 hat turbulent begonnen: Die USA entführten Venezuelas Präsident Nicolás Maduro, und Donald Trump hat es nun auch auf Grönland abgesehen. Die Kulturinstitutionen seines Landes hat er sich längst unter den Nagel gerissen. BackstageClassical hat sich angeschaut, wie er beim Kennedy Center vorgegangen ist: Erst wurde das Personal ausgetauscht, dann das Programm radikal umgekrempelt. Das Haus wurde unter anderem zur Bühne für Trumps absurde FIFA-Friedenspreis-Gala und die neuen Kennedy Honors heißen Sylvester Stallone, Kiss und Gloria Gaynor. Und wo bleibt der Protest? Er ist relativ leise. Klar, Renée Fleming macht da nicht mit, die Oper in Washington hat ihre Zusammenarbeit ebenso aufgekündigt wie die Alvin Ailey American Dance Theater Company. Aber sonst? Eine beängstigende Ruhe, während ein ganzes Land umgekrempelt wird. Apropos Venezuela: Gabriela Montero bejubelt noch immer Venezuelas Oppositionspolitikerin María Corina Machado, und Gustavo Dudamel – einst Unterstützer von Maduro und designierter Chef in New York – versucht ein wenig abzutauchen in diesen aufgeladenen Zeiten.

Personalien der Woche
Die Salzburger Festspiele konkretisieren ihre Pläne für eine Ersatzspielstätte während der Sanierung des Festspielbezirks. Das Kuratorium hat Mitte Dezember zwei mögliche Standorte ausgewählt: die Stiegl-Gründe in Maxglan und eine Wiese beim ehemaligen Kloster St. Josef im Nonntal. Als Vorbilder dienen nach Berichten der Salzburger Nachrichten die »Salle des Combins« des Festivals in Verbier und die Münchner Isarphilharmonie. +++ Er sanierte die Metropolitan Opera in New York, schaffte aber auch deren Tourneen durch die USA ab. Nun starb der langjährige Werbemanager und Kulturförderer Bruce Crawford im Alter von 96 Jahren in seiner Wohnung in Manhattan.
Und wo bleibt das Positive, Herr Brüggemann?
Ja, wo zum Teufel bleibt es denn? Vielleicht ja hier! Das neue Jahr sieht so aus, als wäre es die Zuspitzung des alten. Die Konflikte werden mehr und lösen sich einfach nicht auf. Immerhin scheint ein Bewusstsein zu entstehen, unter anderem dafür, wie wertvoll Europas Erbe ist, seine kulturelle Vielfalt, seine kulturelle Freiheit und seine kulturelle Geschichte. Vielleicht ist Kultur ein Schlüssel, wenn es um die Frage geht, wie wir leben wollen. In Sachen Vielfalt, Freiheit und Sozialstaat sind wir zwischen Oslo und Madrid, zwischen Paris und Warschau doch gar nicht so schlecht aufgestellt. Und es ist gut, wenn wir auch in Sachen Kulturpropaganda hellhörig bleiben. Gerade sagte das Maggio Musicale Vorstellungen der Primaballerina Svetlana Zakharova, und ihres Partners Vadim Repin ab – denen Putin-Nähe nachgesagt wird. Ich habe neulich beim Laufen noch einmal den sechsten Teil unserer ARD Podcast-Serie Klang der Macht gehört – darin geht es um Russland-Verstrickungen in Deutschland und Österreich und vor allen Dingen um die Netzwerke von Kulturmanager Hans-Joachim Frey. Wenn Sie diese Woche mal ruhige 40 Minuten haben – hören Sie doch mal rein!
In diesem Sinne: Halten Sie die Ohren steif.
Ihr
Axel Brüggemann

