Paris-Intendant kämpft mit sinkender Unterstützung

April 24, 2025
1 min read
Der Intendant der Pariser Oper, Alexander Neef (Foto: Opéra de Paris, Bauer)

Alexander Neef hat zwar eine Auslastung von 92 Prozent an der Pariser Oper – aber er kämpft gegen das öffentliche Desinteresse an seiner Kunst.

English summary: Despite a 92% attendance rate, Alexander Neef faces public indifference to opera at the Paris Opera. State funding now covers only 40% of the budget, with further cuts threatening planning. Neef pushes for broader access, especially for youth, and diverse programming to stay relevant. He urges long-term solutions and sees opera houses worldwide facing similar financial and cultural challenges.

Paris (BC) – Die Pariser Oper steht unter der Leitung des deutschen Intendanten Alexander Neef vor großen Herausforderungen. Zentrales Problem ist der stetige Rückgang der öffentlichen Subventionen: Nur noch rund 40 Prozent des Budgets stammen aus staatlichen Mitteln, der Rest muss durch Ticketverkäufe, Fundraising und Sponsoring gedeckt werden. Kurzfristige Kürzungen – etwa sechs Millionen Euro weniger Subventionen im Jahr 2024 – erschweren die Planung erheblich. »Das kann ich einmal auffangen, aber wenn das jedes Jahr passiert, wird es eng«, warnt Neef nun in einem Gespräch mit der Süddeutschen Zeitung. Eine nachhaltige Lösung sieht er im Aufbau eines Stiftungsvermögens, das langfristig finanzielle Stabilität sichern soll.

Neben der finanziellen Unsicherheit kämpft Neef gegen gesellschaftliche Gleichgültigkeit gegenüber der Kunst. Sein größter Feind sei nicht Ablehnung, sondern Desinteresse. Um dem entgegenzuwirken, setzt er auf Öffnung und Dialog mit der Gesellschaft. Gezielte Preisgestaltung ermöglicht auch jungen Menschen den Zugang: 30 Prozent der Tickets kosten weniger als 50 Euro. Dennoch bleibt der Spagat zwischen Exklusivität und Zugänglichkeit eine Herausforderung.

Die Pandemie habe die Notwendigkeit zur Diversifizierung des Programms verstärkt. Neef setzt auf Neuproduktionen historischer Werke, französisches Repertoire und zeitgenössische Stücke. Auch Initiativen außerhalb der Opernhäuser, etwa in Überseegebieten wie Französisch-Guyana, sollen neue Zielgruppen erschließen. Trotz hoher Auslastung von 92 Prozent bleibt die Frage, wie die gesellschaftliche Relevanz der Oper gesichert werden kann, zentral. Neef fordert im SZ-Gespräch mehr Planungssicherheit von der Politik und sieht die Pariser Oper als Vorbild für Anpassungsfähigkeit im internationalen Kulturbetrieb.

Auch Opernhäuser in anderen Ländern stehen vor gravierenden Problemen. In Italien führen drastische Kürzungen der staatlichen Zuschüsse, hohe Schulden und häufige Streiks zu existenziellen Krisen. Traditionsreiche Häuser wie das Teatro Carlo Felice in Genua oder das San Carlo in Neapel stehen vor dem Bankrott, während Misswirtschaft und politische Einflussnahme die Situation verschärfen. In den USA kämpft die Metropolitan Opera in New York mit sinkenden Besucherzahlen und muss regelmäßig auf ihr Stiftungskapital zurückgreifen, da staatliche Subventionen dort kaum existieren.

BackstageClassical

BackstageClassical bringt Ihnen Debatten und Nachrichten aus der klassischen Musik. Die Seite ist kostenfrei. Bestellen Sie unseren Newsletter oder unterstützen Sie unseren unabhängigen Musikjournalismus durch Ihre Spende.

Fördern

Artikel auf BackstageClassical sind kostenlos. Wir freuen uns, wenn Sie unabhängigen Klassik-Journalismus fördern.

Mehr aktuelle Artikel

Die Kultur des Anstands

Unser Newsletter: Heute mit bösen Kriegstreibern, guten Abgängen, einem traurigen Verlust, perversen Abfindungen und entspannten Spaziergängen durch Salzburg und Bayreuth. 

Glanz und Elend à la Bartoli

Zwischen funkelndem Rossini, poetischem Monteverdi und einer erschreckend missglückten Gala schwankt Salzburgs Reise-Motto zwischen Höhenflug und Bruchlandung – ausgerechnet im Jubiläumsjahr der Intendantin.

Er schenkte der Musik die Bilder

Er hat nicht nur die Drei Tenöre in Szene gesetzt, sondern die gesamte Musikwelt von New York bis Wien. Nun ist Regisseur Brian Large im Alter von 87 Jahren verstorben.

Liebes Playmobil,

Der fränkische Spielehersteller feiert die fränkischen Richard Wagner Festspiele! Das macht Sinn. Kann aber nur ein Anfang sein.

Was wollen Sie eigentlich, Milo Rau?

Milo Rau hat den Festwochen das Label Freie Republik Wien verpasst. Darüber debattiert Festival-Leiter Milo Rau im Podcast mit Falter-Kulturchef Matthias Dusini und Axel Brüggemann – Moderator ist Raimund Löw.

Chan Francisco

Elim Chan wird ab September 2027 neue Musikdirektorin des San Francisco Symphony. Die Dirigentin ist bereits designiert und steht Anfang Juni erstmals in neuer Funktion am Pult.

Liebes Utopia-Orchester,

Das Utopia Orchester hat ein neues Video auf Instagram veröffentlicht – Currentzis wirkt hier ein wenig wie der alte Karajan.

Gewandhaus-Radio im Fokus der Medienaufsicht

Die Sächsische Landesmedienanstalt prüft das Gewandhaus-Radio: Ist der Sender unabhängiges Klassikangebot oder PR-Instrument eines städtischen Orchesters? Die Vorwürfe wiegen schwer – und könnten grundsätzliche Fragen der Rundfunkordnung berühren.

Lieber Evgeny Kissin,

Evgeny Kissin durfte in Chicago keine Zugaben mehr spielen - die Halle war unter Zeitdruck. Darüber beschwert er sich auf Instagram – zu Recht.

Verpassen Sie nicht ...