ich habe nicht viel Ahnung von Wirtschaft, aber alle Experten sagen: Es war überfällig, dass ihr mit Audi ein Werk in den USA baut. Dass Du aber mitten im Wahlkampf gleich bei YMCA-Trump antanzt – das ist unverzeihlich!
Noch unverzeihlicher ist es, dass Du das Audi-Kulturprogramm so radikal streichst: Sommerkonzerte? Ausgesetzt! Weihnachtskonzerte in Ingolstadt und Neckarsulm? Gestrichen! Jazz am Audi Forum? Weg! Förderung der Kammerphilharmonie Ingolstadt? Nach 36 Jahren beendet. Und die Audi Jugendchorakademie? Eingestellt!
Sag mal, habt Ihr nicht alle Räder am Wagen?
Ich mag nicht viel Ahnung von Wirtschaft haben, aber von Kultur verstehe ich ein bisschen. Kultur ist keine Dekoration. Und so, wie Audi sie betrieben hat, auch kein Vorzeige-Kultursponsoring, wie es unter anderem die Deutsche Bank oder Siemens betreiben – mit der Digital Concert Hall oder den Festspielnächten.
Für Audi war Kultur in erster Linie Unternehmenskultur. So wie bei der BASF, die das Feierabendhaus mit großartigen Konzerten bespielt – für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und die Attraktivität der Stadt. Oder so wie Amar G. Bose von der Kopfhörer-Firma in Boston: Er förderte alle Angestellten, die in Konzerte des Boston Symphony Orchestra gehen wollten. Weil er sicher war: Wer Musik genießt, arbeitet auch besser.
Noch einmal: Kultur war hier kein Sponsoring, sondern ein Standortfaktor. Jetzt ziehst Du in die USA und glaubst, dass Du da YMCA einfach vom Band spielen kannst. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Deutschland fürchten um ihre Jobs – dass Du ihnen die Kultur nimmst zeigt, was sie Dir Wert sind.
Lieber Gernot Döllner, eine Firma ohne Kultur ist wie ein Auto ohne Stereoanlage: herzlos.


