Inkonsequenz kann so schön sein – und so richtig! Als Sie erklärt haben, dass Sie nicht mehr nach Israel zurückkehren wollen, wegen der Gaza-Politik von Benjamin Netanjahu, haben viele aufgehorcht. Ja, es ist gut, sich einzumischen. Und, ja: Es war mutig. Immerhin waren Sie Chef des Israel Philharmonic Orchestra. Sie verurteilen die Bombardierungen und brutalen Tötungen von zigtausend Menschen. Ohne Wenn und Aber.
Und, ja, genau so gut ist es, dass Sie Ihrem alten Orchester nun geschrieben haben, dass Sie zurückkehren werden – spätestens zum 90. Jubiläum 2027. An dieser Stelle hatte Sie bereits Sopranistin Chen Reiss darum gebeten. Sie werden wegen der Musik nach Israel kommen, ohne irgendeine Ihrer Anklagen gegen das System Netanjahu zurückzunehmen.
Jeder weiß, dass Sie es ernst meinen. Und jeder spürt, dass die Musik (und Ihre Musikerinnen und Musiker) Ihnen so unendlich viel bedeuten.
In diesen Zeiten ist es schwer geworden, sich in der Kultur politisch zu positionieren. Die symbolische Notwendigkeit gegen die Größe und Freiheit der Kunst abzuwägen. Manche schweigen und tanzen auf allen Hochzeiten. Sie sind anders. Sie kritisieren scharf – und kommen trotzdem! Eine klare Abfuhr für Netanjahu, und eine klare Liebeserklärung für Ihr Orchester. So geht musikalische Diplomatie!



