Lieber Zubin Mehta, 

Februar 3, 2026
1 min read
Zubin Mehta (Foto: BC)

Inkonsequenz kann so schön sein – und so richtig! Als Sie erklärt haben, dass Sie nicht mehr nach Israel zurückkehren wollen, wegen der Gaza-Politik von Benjamin Netanjahu, haben viele aufgehorcht. Ja, es ist gut, sich einzumischen. Und, ja: Es war mutig. Immerhin waren Sie Chef des Israel Philharmonic Orchestra. Sie verurteilen die Bombardierungen und brutalen Tötungen von zigtausend Menschen. Ohne Wenn und Aber.

Und, ja, genau so gut ist es, dass Sie Ihrem alten Orchester nun geschrieben haben, dass Sie zurückkehren werden – spätestens zum 90. Jubiläum 2027. An dieser Stelle hatte Sie bereits Sopranistin Chen Reiss darum gebeten. Sie werden wegen der Musik nach Israel kommen, ohne irgendeine Ihrer Anklagen gegen das System Netanjahu zurückzunehmen. 

Jeder weiß, dass Sie es ernst meinen. Und jeder spürt, dass die Musik (und Ihre Musikerinnen und Musiker) Ihnen so unendlich viel bedeuten.

In diesen Zeiten ist es schwer geworden, sich in der Kultur politisch zu positionieren. Die symbolische Notwendigkeit gegen die Größe und Freiheit der Kunst abzuwägen. Manche schweigen und tanzen auf allen Hochzeiten. Sie sind anders. Sie kritisieren scharf – und kommen trotzdem! Eine klare Abfuhr für Netanjahu, und eine klare Liebeserklärung für Ihr Orchester. So geht musikalische Diplomatie!

Brief von Zubin Mehta an das Israel Philharmonic Orchestra

Axel Brüggemann

Axel Brüggemann arbeitet als Autor, Regisseur und Moderator. Er war als Kulturredakteur und Textchef bei der Welt am Sonntag tätig und schrieb danach für die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung. Heute veröffentlicht er u.a. im Tagesspiegel, im Freitag, der Jüdischen Allgemeinen oder in der Luzerner Zeitung. Er arbeitet für Radiosender wie den Deutschlandfunk, den WDR oder den HR. Seine Fernsehsendungen und Dokumentationen (für ARD, ZDF, arte oder SKY) wurden für den Grimmepreis nominiert und mit dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet. Brüggemann schrieb zahlreiche Bücher u.a. für Bärenreiter, Rowohlt, Beltz & Gelberg oder FAZ Buch.

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